Ich sollte euch zunächst etwas über die Entstehung dieser Theorie – ich denke, so kann man das nennen – erzählen Als ich etwa so alt war wie ihr, ungefähr in den frühen achtziger Jahren – und das gilt vor allem für 1984, aber auch schon davor – jede Generation hat ihre Sorgen, ob wahr oder eingebildet. Und die vornehmliche Sorge meiner Generation war ein nuklearer Krieg Und das war eine wirkliche Sorge Irgendwann, viele Jahre später, fuhr ich runter nach Arizona, um eine stillgelegte ICBM zu besuchen – ein Nuklearraketen-Silo Die ICBMs, die Interkontinentalraketen, waren sehr große Raketen Sie konnten um die halbe Welt fliegen Es war tief unter der Erde und hinter sehr, sehr massiven Stahltüren Alles war hellgrün. Kennt ihr noch dieses Pastellgrün, das in den 1950er Jahren offenbar jeder mochte? Es war wie ein hellgrünes Star Trek-Bedienpult So sah es aus Und so.. fuhren wir hinab Es war in der Wüste. Und draußen auf dem Hof, war ein – in Ermangelung eines besseren Wortes – magisches Gebilde Und das war die Raketenspitze der ICBM Die war ziemlich groß. Ungefähr so breit und so hoch Spitz wie eine Gewehrkugel Ungefähr 2 cm dickes Plastik, so eine Art Harz Sie war so konstruiert, dass sie beim Wiedereintritt [in die Atmosphäre] schmelzen würde Das stand also da rum Das wirkte ziemlich nachdenklich stimmend, um es mal so auszudrücken Und dann gingen wir in das Raketensilo Interessanterweise, war davor angebaut – es wurde übrigens von Reagan stillgelegt – Vorne dran vor war so eine Art Museum mit Artefakten aus den 1980er Jahren, u.a. von Reagan und Gorbatschow, die sich mehrere Male getroffen hatten Und das Personal bestand aus diesen betagten Amerikanern aus dem Süden. Alle sehr freundlich Sie waren einfach glücklich, in diesem Museum zu sein. Es war, als würde man das Raketensilo seiner Großmutter besuchen Das war wirklich schräg, denn es handelt sich offensichtlich um einen unheilvollen Ort Und doch war er verbunden mit einer Gastfreundlichkeit und einem Willkommensein Auf diese Weise war es surreal Auf jeden Fall ging wir in das Silo und dort zeigten sie uns diesen simulierten Raketenstart Stellt euch ein Pult wie dieses aus Metall vor, aber zweimal so breit mit einem weiteren dieser Teile am anderen Ende Etwa 5 Meter breit Hauptsächlich Technologie aus den 1950er Jahren Aber auf einen neuen Stand gebracht Und nun stellt euch vor, dass es zum Starten der Rakete lediglich zwei Männer brauchte, die jeweils einen Schlüssel hatten Ich glaube, sie trugen ihn um den Hals. Obwohl ich nicht glaube, dass sie ihn dort die ganze Zeit aufbewahrten Um die Rakete also zu starten musste man den Schlüssel ins Schloss stecken – beide von euch Das war die Sicherheitsvorkehrung: dass es zwei brauchte Man steckte also den Schlüssel für 10 Sekunden ins Schloss und schon flog die Rakete los Die Rakete war zwar nicht so groß wie die Mondraketen, aber doch ziemlich groß Allein das Raketensilo war mindestens so breit wie dieser Raum, vielleicht sogar größer Viele Stockwerke hoch unter der Erde Sie zeigten uns also einen simulierten Start… was surreal war Und als jemand fragte, sagten sie uns, dass die Schlüssel tatsächlich einmal steckten Wann das war, sagten sie uns zwar nicht, aber das müsste während der Kubakrise gewesen sein denn damals waren wir so nah dran Und es gab noch andere Zeiten als wir nah dran waren. Vielleicht nicht ganz so nah Um 1984 gab es offensichtlich einen weiteren Konflikthöhepunkt

Zu dieser Zeit lief gerade ein Film mit dem Titel “The Day After – der Tag danach” Der zog damals mehr Zuschauer an, als jeder andere Film im Fernsehen zuvor Es handelte sich dabei um die Geschichte der Nachwirkungen und die Überlebenden eines nuklearen Kriegs Er war ziemlich realistisch und beängstigend Später erfuhr ich, dass dieser Film zu den Dingen gehörte, die Reagan dazu brachten, mehr Druck auf die Sowjets auszuüben oder mit ihnen zu verhandeln je nachdem wie man es betrachtet Fünf Jahre später brach die Sowjetunion auseinander Das hatte niemand erwartet Und in gewisser Weise brach sie nicht wirklich in 1989 auseinander Eine riesiger Apparat wie dieser fällt nicht mit einem Mal auseinander, das dauert seine Zeit An irgendeinem Punkt lässt er sich nicht mehr am Laufen halten und stürzt um Sie verloren das Vertrauen in ihre Doktrin Aus gutem Grund Das System in Russland, die Sowjetunion, die eine Ansammlung von Staaten war, ein Imperium und ebenso das System, das Mao in China errichtete, und jenes, das bis heute in Nord-Korea als Überbleibsel des Kalten Kriegs besteht und Systeme in Südostasien und Afrika basierten alle auf marxistischen Annahmen Annahmen die utopischer Natur waren und eine utopische Zukunft vorhersagten, in der Eigentum von der Gemeinschaft gehalten wurde und jeder genug hätte und alle dazu aufgerufen wären, zu tun, was sie können „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung“ was ein hübscher Gedanke ist, und ihr könnt euch denken, warum er attraktiv war – sogar intellektuell gesehen, weil natürlich andere Systeme – und zwar alle anderen Systeme – gravierende Ungleichheiten im Einkommen erzeugten Es gleicht einem Naturgesetz Tatsächlich ist das geregelt durch… man kann es modellieren mithilfe einer Verteilung die man “Pareto-Verteilung” nennt Sie sieht so aus Sie sieht nicht aus wie eine Normalverteilung; viele von euch sind mit der Normalverteilung vertraut und wie viele Dinge einer Normalverteilung folgen – die meisten Dinge – aber: das hier ist ein beschränkter Fall ihr könnt die Pareto-Verteilung verstehen, indem ihr… ihr habt alle Monopoly gespielt, nehme ich an? Anfangs hat jeder dieselbe Menge an Geld wir nehmen Eigentum hinzu; dieselbe Menge an Reichtum Was dann im Verlauf des Spiels passiert, eigentlich durch reinen Zufall; ich meine, ich weiß, dass man bei Monopoly den Kopf ein bisschen benutzen muss, aber die grundsätzliche Regel lautet “Kauf alles auf, was dir in die Finger kommt und mach dann unfaire Tauschgeschäfte”, das kommt der Wahrheit recht nahe Also: anfangs hat jeder gleich viel und wenn ihr anfangt zu spielen und genügend Spieler habt würde eine Normalverteilung entstehen, weil manche Spieler mehr oder weniger gleichmäßig gewinnen und andere verlieren würden und so wird das Geld vorerst normalverteilt aber was man bei Geld beachten muss, und bei vielen anderen Dingen auch ist dass die Null involviert ist Und Null ist ein seltsames Konzept, denn wenn man ein Handelsspiel spielt und bei Null ankommt, dann ist man erledigt Und es ist sehr schwer, sich von Null zu erholen, man weiß so ziemlich, wann man bei Monopoly verloren hat ihr kennt das, ihr habt zwar noch ein paar Ressourcen aber da kommt eine Katastrophe auf euch zu, ihr landet auf irgendeinem Hotel und das wars dann für euch, jeder weiß das es kommt ein Punkt, ab dem ihr auf die Null zusteuert, selbst wenn ihr noch etwas besitzt und es kann vorkommen, dass ihr gerettet werdet durch Glück aber ihr wisst, wann ihr dem Untergang geweiht seid Also was passiert, wenn ihr weiterspielt ist dass mehr und mehr Leute bei Null ankommen und immer weniger Leute immer mehr Geld haben und wenn das Spiel vorbei ist hat keiner mehr irgendwas außer einer Person, die alles hat. Nun, das Lustige daran ist, dass in gewisser Weise Handelsspiele nur so funktionieren können Man könnte sich die Frage stellen: “Warum gibt es eigentlich Ungleichheiten in der Gesellschaft?” Und man könnte leicht auf die Idee kommen, dass Korruption schuld daran ist und möglicherweise sind Gesellschaften etwas korrupt, oder in manchen Fällen durchaus auch schrecklich korrupt;

dazwischen schwankt es, es gibt keine Gesellschaft, die völlig ohne Kriminalität und Manipulation auskommt wie auch immer Handelsspiele tendieren dazu, eine Pareto-Verteilung zu erzeugen, sodass sehr viele Menschen sehr wenig besitzen und eine winzige Minderheit eine gewaltige Summe besitzt das sind diese 1% von denen man hört aber was diese 1% angeht ist, dass sie nunmal in jeder Gesellschaft entstehen, die jemals untersucht worden ist es ist eigentlich egal, welches Regierungssystem die Gesellschaft leitet, es ist definitiv unter den Sovjets passiert, soviel steht fest und es gab ausreichend Menschen, die so gut mit der Null vertraut waren, dass sie schlicht starben Also, wisst ihr, dieser Traum von der Utopie war war völlig unrealistisch aus einer Vielzahl an sehr komplizierten Gründen einer davon wäre, dass es sehr schwer ist, gegen diese Form der Verteilung anzukämpfen, wenn Menschen Handel betreiben denn die bloße Statistik führt automatisch dazu und dann gibt es weitere Gründe.. ich sollte ebenfalls anmerken, dass die Pareto-Verteilung auf sehr viele Dinge zutrifft wenn man sich Bücher anschaut, falls ich mich recht entsinne wurden im letzten Jahr etwa 1 Million englischsprachige Bücher veröffentlicht und ich glaube 500 davon haben sich mehr als 100.000 Mal verkauft was so gut wie nichts ist, ich meine das ist nichts und ihr könnt sicher sein, dass unter diesen 500 eins von Stephen King dabei war und er hat die Hälfte des Geldes eingesackt Denn es gibt so um die 5 Autoren im englischsprachigen Raum, die an jedem Flughafenstand die oberste Reihe im Regal belegen und das sind massive Einnahmen, denn dieses Muster wiederholt sich überall und weil sie so allgegenwärtig sind und weil sie bekannte Namen haben greifen Menschen die in Eile sind und einfach irgendetwas zu Lesen haben wollen zu diesen Büchern und mehr Geld fließt Richtung dieser Autoren und so führt Erfolg zu mehr Erfolg und Misserfolg zu mehr Misserfolg und es ist nicht unbedingt linear, und es ist sehr schwer dagegen vorzugehen und das setzt Gesellschaften schwer zu, denn eine Sache die wir mit Sicherheit wissen ist, dass wenn man die Ungleichheit vergrößert führt das dazu, dass vor allem die Männer am unteren Ende der Verteilung mit erhöhter Wahrscheinlichkeit aggressiv werden ihr könnt euch das so vorstellen, dass jeder Mann eine Gewaltschwelle hat, und Status ist wichtig für Männer nicht dass er für Frauen unwichtig ist, aber es ist anders, es ist eine andere Art von Status Status ist für Männer wichtig, weil es eines der Faktoren ist, die sie als Partner attraktiv für Frauen macht deswegen spielt es für Männer eine große Rolle und sie tendieren dazu, miteinander um Status zu konkurrieren – um Hierarchiepositionen – und in einer völlig ungleichen Gesellschaft als Mann mit niedrigem Status und keinerlei Möglichkeiten zum Aufstieg aufgrund der Struktur der Gesellschaft tendieren die aggressiveren Männer zu Kriminalität Man könnte also sagen, es gibt eine Kriminalitätsschwelle und je mehr Druck die Ungleichheit auf eine geographische oder politische Gegend ausübt je mehr Druck ausgeübt wird, desto mehr Männer rutschen über die Schwelle in die Kriminalität es wurden ziemlich gute Studien durchgeführt über Drogenbanden in Chicago und das ist die beste davon, ein Soziologe ist tatsächlich hingegangen und ist mit der Bande abgehangen Er wurde ein Mitglied Der Anführer der Bande war wohl, naja ich würde nicht unbedingt sagen narzisstisch, aber es geht in die richtige Richtung und die Aussicht darauf, dass eventuell ein Buch über ihn geschrieben wird hat ihn erfreut und so konnte der Soziologe sich mit ihm anfreunden und ihn ziemlich gut kennenlernen und dann wurde die Wohnsiedlung, in der die Bande gehaust hat zum Abriss freigegeben und die Bande brach auseinander und er hat die Bücher bekommen, denn sie haben Bücher geführt und was er rausgefunden hat war, dass der durchschnittliche Straßendrogenhändler erstens zusätzlich einen Zweitjob besaß und außerdem deutlich unter dem Mindestlohn verdiente aber diejenigen die weiter oben in der Kette waren, unterlagen natürlich der Pareto-Verteilung und so gab es eine winzige Minderheit von ihnen, die massive Beuteeinnahmen verzeichnen konnte und diejenigen am unteren Ende warteten natürlich nur auf die Gelegenheit, in der Hierarchie aufzusteigen und da es sich natürlich um ein ziemlich gewalttätiges Spiel handelt stehen die Chancen, dass der ein oder andere beseitigt wird ziemlich gut und dann entsteht eine kleine Lücke für ein opportunistisches zweitklassiges Mitglied, welches eventuell so in der Hierarchie aufsteigen kann Ich habe erwähnt, dass die Pareto-Verteilung eine Vielzahl von Dingen bestimmt

unter anderem Popularität und Verkaufszahl von Büchern, aber darüber hinaus charakterisiert sie die Verteilung von allem, was Menschen produzieren Also wenn ihr an kreatives Schaffen egal welcher Art denkt: künstlerisch, industriell, völlig egal Fast alles wird zum Misserfolg Und ein paar wenige Dinge genießen einen Erfolg, der selbst die wildesten Träume übertrifft Ein gutes Beispiel dafür ist Apple Das Iphone – sie haben zwar ihre Konkurrenten aber – es ist ein außergewöhnlich dominantes Produkt, sie nehmen Millionen von Dollar ein Ich bin mir nicht sicher, ob Apple einen Wert von einer Billion Dollar hat, aber sie sind nah dran Und das ist eine Menge Geld und falls ich mich recht entsinne eventuell sind die Zahlen falsch, aber es stimmt ungefähr: die reichsten 40 Menschen haben so viel Geld wie die unteren 2 Milliarden Naja, also die stopfen nicht gerade ihre Matratzen mit dem Geld aus Oder haben einen Wolkenkratzer voll mit Bargeld, das Geld ist da draußen in der Wirtschaft und macht, was Geld halt so macht Ihr wisst schon, man kann 28 Millarden Dollar nicht ausgeben Und manchmal kann man sogar etwas Gutes damit anstellen, Bill Gates zum Beispiel scheint etwas Vernünftiges mit seinem Geld zu machen Aber der Grund, warum ich euch das alles erzähle ist der, dass eines der Dinge, die ihr wissen solltet ist, dass dieser Hang zur Ungleichheit durchdringt sämtliche menschliche Produktionsbranchen: es trifft auf erzielte Tore im Eishockey zu Mein Sohn hat mir erzählt – und er ist eine verlässliche Quelle, was Eishockey-Statistiken anbelangt – dass selbst wenn ihr alle Punkte, die Wayne Gretzky jemals durch Tore erzielt hat, außer Acht lasst, er allein durch seine Vorlagen immer noch mehr Punkte hätte, als jeder Eishockeyspieler der jemals gelebt hat Also, wisst ihr, selbst am oberen Ende der Verteilung ist es so: da gibt es jemanden der dermaßen gut in seinem Handwerk ist aber dann gibt es noch jemanden, der so viel besser ist, dass es nicht einmal vergleichbar ist Und so kommt es, dass die Person in dieser Position sämtliche Vorteile genießt und man kann das nachvollziehen, finde ich, denn sagen wir mal, ihr fangt an zu schreiben und ihr stellt ein Buch fertig – übrigens ein sehr seltenes Ereignis, dass jemand ein Buch veröffentlicht – und ein paar Leute lesen es und mögen es sogar und dadurch ist es viel wahrscheinlicher, dass ihr einen zweiten Buchvertrag bekommt und wenn Leute auch das mögen ist es noch viel wahrscheinlicher, dass ihr ein drittes Buch schreiben dürft und dann fängt man an, euren Namen zu kennen und deswegen fangen Leute an, euch anzurufen und euch Gelegenheiten anzubieten und euer Netzwerk wächst es ist eine Art exponentieller Anstieg eures Einflusses und eurer Produktionsmöglichkeiten Mehr und mehr strömt zu euch Und auf der anderen Seite, falls ihr anfangt zu scheitern – und warum sollte jemand scheitern? – ach Gott es gibt da diese Idee, die in unserer Gesellschaft sehr verbreitet ist, dass Armut durch Geldmangel hervorgerufen wird und das ist eine wirklich dumme Idee Denn es ist sehr schwierig mit Geld umzugehen; ich hatte einige Klienten, die drogenabhängig waren und das denkbar schlimmste, was ihnen hätte passieren können war, dass sie ein wenig Geld in die Hände bekamen Dann waren sie einfach erledigt, erstens hingen sie nur mit Leuten herum, die einen gewissen Hang zur Soziopathie hatten Und vor allem wenn sie nicht allzu hell waren und nicht besonders gut für sich einstehen konnten dann ging es für sie, sobald sie etwas Geld hatten, ab in die nächste Bar mit all diesen Freunden und an einen Kerl erinnere ich mich insbesondere, jedes Mal wenn er seine Invaliditätsleistungen bekommen hatte verschwand er für 5 Tage und man fand ihn später in einem Straßengraben, denn er ging immer in die Bar, gab jeden Cent den er hatte für Alkohol und Kokain aus und wachte in einem Graben auf, dreivierteltot, – letztendlich ganz tot – und dann war er beschämt und verängstigt und reuevoll und riss sich zusammen und alles war schön und gut, solange er pleite war bis zum nächsten Scheck und dann ging es von vorne los Und deswegen ist Geld nicht zwingend gut für jedermann. Es ist schwer, mit Geld umzugehen; es verschwindet sehr schnell, ältere Menschen haben sehr große Schwierigkeiten damit, denn sie werden über das Internet ununterbrochen von Betrügern kontaktiert und deswegen ist Geld für sie wie Wasser, das man ihnen in die Hände schüttet, es ist nicht besonders hilfreich, zumindest nicht unbedingt und natürlich gibt es andere Gründe für Armut, wie etwa ein niedriger IQ Menschen mögen das IQ-Konzept nicht, denn es scheint so willkürlich: “Ich hab einen hohen IQ” – Nun, es ist nicht gerade so, als ob du ihn dir verdient hättest

Der IQ steht eigentlich so ziemlich von Beginn an fest und ist sehr sehr sehr stabil Man kann eine Person mit hohem IQ dümmer machen, indem man sie nicht ihren Möglichkeiten entsprechend bildet, aber jemanden mit niedrigem IQ zu nehmen und diesen zu erhöhen, also wenn ihr rausfinden könnt, wie man das macht, nun der Nobelpreis wartet schon, das versuchen Menschen nämlich schon seit langem, das neueste Beispiel wären diese Lumosity-Spiele und Ähnliches und Anzeichen dafür, dass diese Spiele etwas anderes trainieren als die Fähigkeit, exzellente Ergebnisse in den Lumosity-Spielen selbst zu liefern ist praktisch Null Wir waren bisher nicht in der Lage herauszufinden, wie – denn Intelligenz ist ein domänenübergreifendes Phänomen und man kann richtig gut in einer bestimmten Domäne werden, wenn man wie verrückt trainiert, und die Hoffnung war, dass dieses Training in einer einzelnen Domäne dazu führt, dass das Können auf andere Domänen übergreift Das ist der Heilige Gral der Intelligenzsteigerung – und es funktioniert einfach nicht! Niemand hat es geschafft. Manche behaupten es, aber die Behauptungen halten niemals stand und Menschen versuchen es seit sehr langer Zeit aber sie haben es nicht geschafft Unterschiede im IQ machen wirklich einen großen Unterschied Ihr habt wahrscheinlich einen Durchschnittsiq von 125-130, mit 115 ist man im 85. Perzentil und 115 würde gerade so ausreichen, um an einer anspruchsvollen Universität anzufangen Mit 130 ist man wahrscheinlich Anwärter auf einen Abschluss Mit 145 spielt man oben mit und kann wahrscheinlich alles machen, worauf man Lust hat, jedoch nimmt mit zunehmender Intelligenz die Streuung zwischen den einzelnen Fähigkeiten zu, sodass man etwa einen hohen verbalen IQ hat, aber nicht so gut in Mathematik ist, oder umgekehrt Aber IQ hat einen enormen Anteil am Lebenserfolg Und ich weiß nicht, was man daran drehen könnte, ich meine warum verdienen kluge Menschen mehr Geld? Nun, sie kommen schneller an den äußeren Rand des Produktionslimits Wenn man also 1000 Menschen hat und sie nach ihrem IQ ordnet, dann werden die Klügsten schneller neue Ideen entwickeln Und sie werden mehr Ideen haben Und sie werden besser planen, und mit einem IQ von 90, was in etwa 15% der Bevölkerung entspricht; denkt mal drüber nach – 15% der Bevölkerung! Das ist so ziemlich der Schwelle zum Lesen und Befolgen von Anleitungen Und unsere Gesellschaft wird zunehmend anspruchsvoller und es ist keineswegs offensichtlich Naja, die Liberalen denken “die Gesellschaft ist nicht fair, wegen Arbeitslosigkeit” und die Konservativen denken: “Es gibt einen Job für jedermann.” Aber niemand denkt daran, dass es massive massive massive Unterschiede hinsichtlich der Fähigkeiten der Menschen gibt, viel größer, als man sich vorstellt und das führt zu einem strukturellen Problem; ich hatte einen Klienten und ich habe ihm einen Frewilligenjob besorgt, was viel schwieriger ist, als ihr denken würdet, man braucht etwa eine polizeiliche Untersuchung Es ist schwieriger als einen normalen Job zu bekommen Aber wir haben es geschafft und seine Aufgabe war es, in einer Hilfsorganisation Briefe in drei Teile zu falten und in Umschläge zu packen Und dann mussten die Briefe, die in einem Stapel lagen, zu den passenden Umschlägen, ebenfalls in einem Stapel, sortiert werden Aber manche waren auf Französisch und manche auf Englisch, was er ebenfalls sortieren musste und wenn ein Brief in den falschen Stapel gelangt war, musste er herausfinden, ob der Umschlag oder die Sprache nicht stimmten und dann hatten manche Briefe angehängte Fotos, die nicht geknickt werden durften, aber auch nicht immer am selben Platz waren und er musste rausfinden, wie der Brief zu falten war, ohne dass das Foto geknickt wurde mir ist erst bewusst geworden, wie schwierig es ist, ein Blatt in einen Umschlag zu stecken, als ich jemandem zugeschaut habe, der es nicht gekonnt hat und er hatte wahrscheinlich einen IQ um die 80. Wärt ihr ihm auf der Straße begegnet, wäre euch nichts aufgefallen, er war ein normal aussehender Kerl er hatte ein paar andere Probleme; ich habe ihn so um die 30 Stunden lang geschult, wie man diese verdammten Briefe faltet und am Ende hat er es halbwegs hinbekommen, aber das Ding ist wenn man es gut kann so wie ihr alle wahrscheinlich dann faltet man es und die Kanten passen perfekt Also wirklich perfekt, die Fehlertoleranz liegt wahrscheinlich bei einem halben Millimeter oder so etwas Dann knickt man noch Mal und die Toleranz ist dieselbe

Aber jetzt liegt man, sagen wir mal, beim ersten Knick um 3 Millimeter daneben und beim zweiten Knick um 3 Millimeter daneben das heißt insgesamt liegt man um 6 Millimeter danben und jetzt ist das Blatt ein bisschen schief und jetzt passt es nicht in den verfdammten Umschlag Und jetzt zerknittert man den Umschlag beim Reinstecken und dann bleibt er in der Sortiermaschine stecken Und so er hat Blut geschwitzt während er versuchte diesen Job zu machen Und letztendlich wollten sie ihn feuern Stellt euch mal vor, wie sich das anfühlt, gell? Du kriegst keinen Job und dann kriegst du einen Job in einer Hilfsorganisation, als Freiwilliger! Und die Hilfsorganisation beschließt, dich zu feuern! Ich meine, jetzt mal im Ernst, das ist einfach mal also habe ich mit der Dame gesprochen, die das Ganze geleitet hat und habe angedeutet, dass das doch eine recht niederschmetternde Wirkung haben könnte Ich meine, sie hatte ihre Gründe er hat die Leute ständig gefragt, wie er seine Arbeit tun solle und dadurch ihre Produktivität beeinträchtigt Und das war wirklich beeinträchtigend, sie wollte nicht einfach nur gemein sein und ihre Aufgabe war es nunmal, dafür zu sorgen, dass die Einrichtung ihre Funktion erfüllt, also also war sie zwischen Hammer und Amboss geraten Schließlich ist er zu dem Beschluss gekommen, dass der Job nichts für ihn war und relativ kurz danach – ich glaube er sagte, dass es zu stressig für ihn war – hat er gekündigt, womit dieses Problem aus der Welt war, bloß war er jetzt wieder arbeitslos, was natürlich ebenfalls ein Problem darstellte Jene Geschichte hat jedoch ein glückliches Ende, soweit ich weiß Er hat sich einen Hund angeschafft, weil er sehr einsam war und, man, dieser Hund als er diesen Hund trainiert hat, das war echt ein Ding für sich, ich glaube er hat dabei 13 Kilogramm abgenommen Denn Hunde sind nunmal dominant Er musste sich erstmal mit dem Hund anlegen, um zu klären, wer die Hosen anhatte und ein Hund bringt viel Verantwortung mit sich Aber er hat sich der Sache ganz schön verpflichtet gefühlt.. und er hat es gemeistert Was er alles durchmachen musste, um diesen Hund zu behalten, man kann es sich nicht ausmalen, das war wie.. war wie das war surreal, genau wie das Nuklearraketen-Silo Er wurde von Leuten verfolgt, die ihn bespitzelten, weil sie dachten, dass er den Hund missbrauchte, obwohl – und ich weiß es, weil ich dabei war – in Wirklichkeit der Hund ihn missbrauchte Und so hat er einen Job bekommen, bei dem er einer Dame geholfen hat, Hunde zu trainieren. Und so hatte er einen Job Hurra! Aber im Grunde genommen glich das einem Wunder Naja, wie auch immer. Der Grund, warum ich euch das alles erzähle ist, dass es einen Grund für den Kalten Krieg gab Und der Grund war die Ungleichheit Und es gibt verschiedene Theorien, wie man gegen diese Ungleichheit vorgehen sollte und warum sie überhaupt existiert und es gab eine marxistische Theorie warum sie existiert, die in etwa lautete “Besitz ist Diebstahl und alle die mehr haben, haben es von denen genommen, die weniger haben.” Was meiner Meinung nach völlig außen vor lässt, dass es nicht einfach irgendwo einen festen Geldtopf gibt, denn Geld mehrt sich im Zuge unserer technologischen Weiterentwicklung und zahlreiche Menschen besitzen viel Geld, weil sie nunmal ein großes Vermögen generiert haben Bill Gates ist dafür ein großartiges Beispiel, er hat nunmal Computer popularisiert und hat es jedem ermöglicht, einen Zugang zum Computer zu haben Scheint mir doch eine gute Sache zu sein! Und man könnte dasselbe über Steve Jobs sagen und vielleicht auch irgendwann einmal über Elon Musk, denen allen stehen gewaltige Ressourcenmengen zur Verfügung, aber es ist nun nicht so, als würden sie in Geldscheinen baden Sie versuchen weiterhin etwas mit ihrem Geld anzustellen wie auch immer Die Russen sind also von marxistischen Grundsätzen ausgegangen und haben versucht die Besitzverteilung auszugleichen Und das Ganze eine Katastrophe zu nennen wird der Sache kaum gerecht Und ich weiß, dass ihr wahrscheinlich nicht viel darüber wisst, weil das aus irgendeinem Grund nicht gelehrt wird, aber realistischen Schätzungen zufolge haben die Russen zwischen 1919 und 1959 ungefähr 30 Millionen ihrer eigenen Leute in den Tod geschickt Es ist heftig! Wirklich heftig, ein Großteil davon waren Hungertode Ich habe neulich ein Foto gesehen, das ich auf Twitter veröffentlich habe. Es war das schlimmste Foto, das ich je gesehen habe, was für sich spricht, denn ich habe wirklich viele schreckliche Fotos gesehen, da ich mich so intensiv mit totalitären Systemen beschäftigt habe Es war ein Foto, das in einer der frühen Hungerphasen in der Sowjetunion entstanden ist,

als ungefähr 3 Millionen Bauern starben. Es war von einem Bauernpärchen hinter einem Marktstand, an dem sie menschliche Körperteile als Nahrungsmittel verkauften Und, wisst ihr, ich habe diese seltsame Angewohnheit, die mir nicht unbedingt zu Gute kommt, aber die mir eventuell dazu verhilft, Dinge besser zu verstehen Immer wenn ich sehe, dass jemand etwas getan hat, etwas Radikales, – ich habe das vor langer Zeit gelernt, als ich kurzfristig in einem Hochsicherheitsgefängnis gearbeitet habe – ich versuche mir vorzustellen, wie ich sein müsste; in was für einer Situation ich mich wiederfinden müsste, um das Gleiche zu tun Und ihr könnt mir glauben, dass das eine grauenerregende Vorstellung ist, denn es ist tatsächlich möglich, völlig unabhängig davon, was es ist, dass jemand getan hat, und unabhängig davon, für wie unwahrscheinlich ihr es erachtet, dass ihr das Gleiche tun würdet Es ist möglich Es ist möglich, sich in diese Position zu versetzen Und das nun, das ist erleuchtend, so würde ich das nennen. Es ist erleuchtend Denn eines der Dinge, die man über Erleuchtung sagen kann ist das man erleuchtet wird, indem man Dinge tut, die nötig sind, aber von denen man wirklich wirklich wirklich überhaupt nichts wissen will Die man nicht tun will Und sich an die Stelle eines auf diese Weise Handelnden zu denken ist es offenbart einem etwas über die Welt, sowie auch über die Menschen, aber es ist eine verdammt bittere Pille. Und in einer sehr gut strukturierten Gesellschaft wie der unseren, wo wir so friedlich miteinander leben, weil wir Heizungen haben, die immer funktionieren und Elektrizität, die immer funktioniert und Rohrleitungen, was einem verdammten Wunder gleichkommt, und die immer funktionieren! Und eine der Sachen, die ich aus diesen Phantasieprozessen gezogen habe ist, dass ich mir völlig bewusst darüber bin, dass mein alltägliches Leben einem absoluten Wunder gleichkommt Es ist entsetzlich kalt da draußen, man kann keine Nahrung anbauen, man würde sterben, wenn man 24 Stunden im Freien verbringen würde, wenn nur ein Teil dieser Infrastruktur auch nur für kurze Zeit unzuverlässig wäre, wären wir in sehr großen Schwierigkeiten aber es ist immer zuverlässig! Das ist eigentlich so gut wie unmöglich! Aber hier sind wir, mit unserer ganzen zuverlässigen Infrastruktur, dank der wir nicht wirklich miteinander konkurrieren müssen. Nur so ein wenig Wir konkurrieren nicht um Nahrung Wir konkurrieren nicht um Obdach. Naja, manche Menschen schon, aber nicht sehr viele Und so ist es total einfach, sich selbst als gut zu sehen, denn man tut ja niemandem etwas zuleide, aber ein Zyniker könnte sagen: “Das liegt daran, dass du schlicht keinen Grund dafür hast!” Aber derartige Gründe gab es zuhauf in der Vergangenheit Tatsächlich war das die Norm, nicht die Ausnahme. Wir sind die Ausnahme Diese wahnwitzig funktionsfähige Gesellschaft, die wir irgendwie auf die Beine gestellt haben ist es ist unfassbar für mich, dass es sie gibt daher wie auch immer Zu den Zeiten der Industriellen Revolution waren die Arbeitsbedingungen ziemlich brutal und George Orwell schrieb das Buch “Der Weg nach Wigan Pier”, das ich euch sehr empfehlen würde; ein großartiges Buch Und er reiste in den 30ern – ich glaube es waren die 30er – nach Nordengland, um dort mit den Bergleuten zu leben und diese armen Kerle die mussten 3 Kilometer weit durch einen Tunnel kriechen, der zu niedrig war, um sich dort aufzurichten, nur um ihre Schicht zu beginnen Und dann, nach 8-stündigem Einhacken auf Kohlewände; was doch eine recht schwere und dreckige und gefährliche Arbeit ist, und natürlich kriegt man davon eine Staublunge, also ist es zudem noch tödlich und sie wurden schlecht bezahlt. Naja nach 8 Stunden davon kroch man zurück Dieselben 3 Kilometer Und dafür wurde man überhaupt nicht bezahlt, das war bloß die Pendelzeit Und ihre Wohnverhältnisse waren nicht gut, ihre Ernährung war nicht gut, die meisten hatten mit 30 keine Zähne mehr Arm zu sein war kein Zuckerschlecken, selbst im Vereinigten Königreich, das noch zu den wohlhabenderen Orten zählte Deswegen gab es jeden Grund, um sich über das Missverhältnis zwischen arm und reich sorgen zu machen Und Armut ist der Normalzustand In der westlichen Welt in 1895 lebte die Durchschnittsperson von einem Dollar, und zwar in heutigen Dollar! Und das ist in vielen Ländern der Welt auch heute noch nicht unüblich Daher.. gab es gute Gründe, um sich mit der Ungleichheit zu beschäftigen Und so haben die Russen sich für einen Weg entschieden, von Marx inspiriert und wir uns für einen anderen Weg

inspiriert von John Stuart Mill, John Locke, ich würde sagen der englischen Tradition der Demokratie und wetteiferten 70 Jahre lang und hier scheinen die Dinge besser verlaufen zu sein Aber es war ein Wettbewerb, der sich gewaschen hat Und dem waschechte Meinungsunterschiede zugrunde lagen Und die beiden Systeme wurden zu bewaffneten Lagern, und das Ganze ist übrigens nicht vorbei Da wären einmal die Chinesen, auch wenn sie mittlerweile einen Hybriden aus Kommunismus und Kapitalismus darstellen und hoffentlich haben sie mehr Interesse daran, reich zu werden, als einen Krieg zu führen Gier ist ein guter Antrieb Überraschenderweise ist sie ziemlich verlässlich Naja, wie dem auch sei, im Jahr 1989 war der Käse gegessen Es war offensichtlich, dass das sowjetische System nicht funktionstüchtig war Es gab jedenfalls keine Gebrauchsgüter, nicht mal in den Hauptwarenhäusern in Moskau Und die Menschen verloren einfach mehr oder weniger den Glauben an das ganze Unterfangen Es wurde zur Eine Weile lang.. ich weiß nicht, ob ihr mit der Show “Dallas” vertraut seid “Dallas” war eine Seifenoper, die nachts gesendet wurde Eine Serie; es ging um diese reichen Texaner, die den 1%-Lebenstil genossen haben Und es war die beliebteste Sendung in Ostdeutschland Die Straßen waren wie leergefegt, weil die Menschen “Dallas” schauen wollten Nun wenn ihr in eurer schrecklichen Wohnung, geprägt von sowjetischer Architektur hockt, die ihr nur bekommen habt, weil ihr eure Verwandtschaft verpfiffen habt; denn einer von drei Menschen in Ostdeutschland war ein Informant, ein Regierungsspitzel, und ihr guckt euch “Dallas” an nun, da kann man schon mal von kognitiver Dissonanz sprechen Daher fiel’s auseinander, und das ziemlich friedlich sogar, es gab zwar ein paar bewaffnete Auseinandersetzungen in Osteuropa aber alles in allem doch erstaunlich friedlich und hier sind wir jetzt, wir wissen zwar nicht was nun mit den lästigen Russen zu tun ist, aber zumindest gibt es keine Hinweise darauf, dass sie immer noch unsere Todesfeinde aufgrund von unterschiedlichen unumstößlichen Grundannahmen sind Und nun steht es viel besser um die Dinge auf der Welt Ungeachtet dessen, was man euch erzählt Deutlich besser als vor 40 Jahren und unfassbar viel besser als vor 50 In den letzten 50 Jahren haben wir mehr Menschen aus der Armut geholt, als in der gesamten Geschichte der Menschheit davor Menschen tragen Ressourcen in einem Tempo zusammen, das selbst die allergrößten Optimisten nicht mal in ihren Träumen zu beschleunigen wüssten daher Es ist nicht so als wären wir makellos, aber Na, jedenfalls war es zu jener Zeitperiode so, dass ich besessen war – das ist ein gutes Wort dafür – von einer Frage, und diese Frage lautet: “Warum sollten Menschen zwei Lager aufstellen um dann ein Riesenarsenal an Wasserstoffbomben anzulegen, – ich weiß nicht, was euch über Wasserstoffbomben bekannt ist, aber Atombomben dienen ihnen als Zünder – es lohnt sich, da mal drüber nachzudenken, denn hey, eine Atombombe ist auch schon etwas! Aber eine Wasserstoffbombe kommt der Sonne gleich! Das ist wirklich was Und am Höhepunkt des Kalten Krieges, und in gewisser Weise trifft das auch heute noch zu, waren wortwörtlich mehrere Zehntausende dieser Waffen auf die Sowjetunion, sowie auch auf den Westen ausgerichtet Das hätte ausgereicht, um so ziemlich allem ein Ende zu setzen Und das ist ein echt gefährliches Spiel, nicht nur wegen der Absichten, sondern auch schlicht aufgrund von einem potenziellen Unfall! Ein einfacher Fehler, oder jemand, der ein bisschen verrückter ist, als einem lieb ist, und ihr könntet euch denken: “Niemand würde freiwillig das Ende der Welt herbeiführen”, aber das würde schlicht zeigen, dass ihr nicht besonders viel über Stalin Bescheid wisst Denn von allen Machtträgern, die im 20. Jahrhundert gelebt haben, war Stalin der motivierteste, um allem ein Ende zu setzen Es gibt Gründe zu glauben, dass er von Chruschtschow und seinem Gefolge ermordet worden ist – Chruschtschow war der nächste Anführer – oder dass ihm zumindest die nötige ärztliche Versorgung verweigert worden war, als er im Sterben gelegen hat

Und es gibt Anzeichen dafür, dass er sich zu dieser Zeit bereit machte, Westeuropa zu invadieren Und es war ihm ziemlich egal, welches Ausmaß an Zerstörung das mit sich bringen würde; zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits mehrere zehn Millionen Menschen umgebracht, er hatte sehr viel Übung, er war gut darin, hat ihm nicht viel ausgemacht, vielleicht hat er es sogar genossen daher “Was zur Hölle!”, dachte ich mir, “wie kommt es, dass wir das tun? Es ist Wahnsinn.” Und dann habe ich angefange, über Weltanschauungen nachzudenken, denn man könnte sagen, dass beide Lager ihre eigene Weltanschauung hatten; das Westliche ist aus einer langen christlich-jüdischen Tradition entstanden und war von alten Römern und Griechen abgeleitet, sowie aus verschiedenen Philosophenschulen; der Aufklärung und so weiter, während die Sowjetunion hauptsächlich auf einer rationalen Philosophie basierte, die die im Westen entwickelten Grundsätze ablehnte und dementsprechend richteten beide Gruppen ihre Gesellschaften aus Ich habe relativ lange Politikwissenschaften studiert, und die Politik-, sowie die Wirtschaftswissenschaftler, waren im Grunde der Ansicht, dass Menschen miteinander um Ressourcen konkurrierten Aber das war meiner Meinung nach keine ausreichende Antwort, weil daraus nicht ersichtlich wurde, aus welchem Grund Menschen gerade diesen Ressourcen einen Wert beimessten sie nahmen einfach an, dass es Ressourcen gibt, die man wertschätzt, aber Menschen können viele verschiedene Dinge wertschätzen, das ist nicht gerade in Stein gemeißelt; offensichtlich hat Nahrung einen hohen Stellenwert, wenn man hungrig ist, aber es gibt da eine ganze Menge von Dingen, deren Werte wir scheinbar willkürlich festlegen, es scheint sich dabei um eine halbwegs freie Entscheidung zu handeln Also wollte ich stattdessen herausfinden, warum Menschen bestimmte Dinge wertschätzten, und was es überhaupt bedeutet, Dinge wertzuschätzen Und was es bedeutet, an etwas zu glauben Und daraus folgend, wie es sein kann, dass jemand dermaßen fest an etwas glaubt, dass er seinen eigenen Tod in Kauf nimmt, um es zu verteidigen, oder zumindest den Tod von anderen Menschen, und vielleicht sogar im großen Stil; Menschen fühlen ihren Systemen gegenüber eine unglaubliche Verpflichtung! Eine Weltanschauung ist jedoch mehr als nur eine Weltanschauung; eines der Dinge, die ich mit der Zeit realisiert habe ist, dass es nicht angebracht ist, das Ganze auf eine psychologische Ebene zu reduzieren Menschen verteidigen nicht bloß ihre eigene Weltanschauung, denn wir teilen eine gemeinsame Weltanschauung Zumindest insofern, als dass eine Gruppe von Primaten gemeinsam hier sitzen kann, obwohl wir uns nicht kennen und es dennoch friedlich ist und keiner Angst hat Und das ist ziemlich erstaunlich! Und es setzt voraus, dass wir alle unsere Rolle erfüllen, die an bestimmte Erwartungen geknüpft ist und mit diesen übereinstimmt Diese Übereinstimmung ist das Entscheidende. Darüber werden wir noch viel sprechen Es geht nicht so sehr um die Weltanschauungen an sich, oder sogar um deren Integrität Entscheidend ist die Übereinstimmung zwischen der Weltanschauung und den Handlungen der anderen Menschen innerhalb dieser Weltanschauung Und diese Übereinstimmung gilt es zu bewahren Das Ziel ist es, die eigenen Überzeugungen in der Welt auszuleben und dadurch das gewünschte Ergebnis herbeizuführen Das ist positiv, insofern als dass man kriegt was man will und gleichzeitig die Gültigkeit der Weltanschauung bestätigt Das ist es! Perfekt! Sicherheit! Aber einen großen Teil davon bildet – wenn wir interagieren, auch jetzt gerade – da ist eine ganze Reihe von Erwartungen, die unser Verhalten regelt – zum Beispiel würdest du nicht wollen, dass ich deinen kleinen Flachcomputer nehme und ihn zertrümmere – das wäre erschütternd, nicht wahr – du wüsstest nicht, was zur Hölle dann zu tun wäre, du wärst plötzlich an einem anderen Ort, wenn ich das tun würde, und du wüsstest nicht, wo dieser Ort wäre Und das ist etwas sehr Wichtiges; es besteht ein fundamentaler Unterschied dazwischen zu wissen wo man ist, und es nicht zu wissen Ich denke, dass es auf eine gewisse Weise der fundamentalste Unterschied überhaupt ist – man kann es sich vorstellen als den Unterschied zwischen bekanntem und unbekanntem Gebiet Aber man muss Ich weiß nicht, ob ihr jemals eine Katze in ein neues Haus gebracht habt; Katzen hassen das, denn in ihrem alten Haus, und vielleicht auch in der Nachbarschaft sind sie entlang der Grenzen herumgeschlichen und haben sich mit allem vertraut gemacht Anfangs sind sie verängstigt, dann machen sie sich mit allem vertraut und finden heraus, wo man sich verstecken kann; wo es sicher ist, sie finden das heraus, indem sie irgendwohin gehen und falls dort nichts passiert nehmen sie an, dass es sicher ist Und nach und nach bauen sie sich eine Nachbarschaft auf, mit der sie vertraut sind Mein Vater hat früher immer den Hund Gassi geführt und unsere Katze fühlte sich einsam und fing an, ihnen zu folgen, und am Anfang lief sie nur entlang der Häuserwände auf ihrem Weg, um sich vor Feinden zu verstecken und

nach einer Weile fühlte sie sich sicher genug und lief direkt hinter dem Hund her, aber sie hatte immer eine Grenze, und wenn mein Vater den Hund eine Straße zu weit mitnahm, würde sich die Katze an eine Straßenecke setzen und weinen, so wie Katzen das eben tun: “Das wars für mich man, ich tu keinen weiteren Schritt ins Unbekannte.” Und daher ist die Unterscheidung zwischen dem Gebiet, das man gemeistert hat und dem Gebiet, das man nicht gemeistert hat, fundamental Das ist die Unterscheidung zwischen dem Zuhause und dem fremden Land Und das besondere an menschlichem Territorium ist, dass einen Großteil des vertrauten Teils davon andere Menschen bilden Weil wir Gesellschaftstiere sind – es mag seltsam erscheinen, so über Territorium zu denken, also nicht im geografischen, objektiven Sinn, sondern als Territorium mit einer Dominanzhierarchie, und diese Dominanzhierarchie hat eine berechenbare Struktur und man weiß – zumindest meistens – wie man in diese Struktur hineinpasst, und so weiß man, dass wenn man sich – umgeben von seinen eigenen Leuten – auf eine bestimmte Weise verhält, dann kriegt man oft das, was man will Und man ist so froh darüber! Denn was man echt nicht will, ist dass sich jemand in seiner Nähe unberechenbar verhält Und ihr alle wisst das – sagen wir ihr lauft Bloor [Straßenname] entlang, und da befinden sich Menschen, die eigentlich in eine Anstalt gehören, die aber entlassen wurden damit sie frei sein können, und so leiden und leben sie ihre Störungen also in völliger Freiheit auf der Straße aus Aber wenn ihr mal an so jemandem vorbeilauft, der zu den Stimmen in seinem Kopf murmelt und vielleicht noch versucht danach zu schlagen, was ihn heimsucht, mit dem stellt ihr keinen Augenkontakt her, vielleicht wechselt ihr sogar die Straßenseite, jedenfalls macht ihr einen weiten Bogen und stellt eine Distanz zwischen euch her, und ihr werdet hoffen, nicht seine Aufmerksamkeit auf euch zu ziehen, denn er befindet sich außerhalb der Dominanzhierarchie Und ihr habt keine Ahnung, was zur Hölle er tun könnte Und das ist ebenfalls unerforschtes Territorium Das ist eine weitere Denkweise; Wir leben in Zeit und Raum – nicht bloß im Raum und nicht bloß in Zeit – in Zeit und Raum Und unser Territorium ist räumlich und zeitlich – wir sind hier, jetzt Und es ist sicher hier, jetzt Und das liegt zum Teil an der funktionstüchtigen räumlichen Struktur, aber zum Teil auch daran, dass niemand von euch ungewöhnliches Verhalten an den Tag legt Aber falls sich das ändern sollte, falls sich jemand plötzlich erhebt und anfängt zu murmeln oder zu schreien, oder vielleicht seinen Sitznachbarn anzugreifen, würden alle anderen erstmal erstarren, denn plötzlich würde es sich hierbei um unerforschtes Territorium handeln Die Übereinstimmung zwischen dem was ihr wollt – ein friedlicher und hoffentlich gehaltvoller Vortrag – Die Übereinstimmung zwischen dem, was ihr wollt und dem, was sich ereignet, ist verschwunden Und dann wisst ihr nicht, wo ihr seid Und was macht man, wenn man nicht weiß, wo man ist? Was macht man, wenn man nicht weiß, was zu tun ist? Nun, falls man ein Computer ist, stürzt man einfach ab Aber was nützt das euch? Einfach sterben scheint nicht besonders hilfreich Ihr erstarrt. Vorerst Und dann schaut ihr möglicherweise vorsichtig – vielleicht auch nicht, vielleicht wendet ihr einfach euren Blick ab und sitzt da in der Hoffnung, dass euch niemand bemerkt, das ist die Reaktion eines Beutetiers; so verhält sich ein Kaninchen, wenn es denkt, es wurde von einem Fuchs entdeckt Und wir waren für eine lange Zeit Beutetiere Es gab eine Katzenart die neulich entdeckt worden ist, eine prähistorische Katzenart, die unten einen Einzelzahn hatte, und man hat herausgefunden, dass ein Menschenschädel vollständig in ihr Maul passte, sodass sie einen so packen und einem den Schädel von hinten mit dem Einzelzahn durchbohren konnte; dafür hat sie sich entwickelt Und von daher unter solchen Bedingungen haben wir uns entwickelt Wir sind nun offensichtlich auch Jäger, aber eben schmackhafte Jäger und deswegen waren andere Wesen mehr als bereit, uns zu fressen Und deswegen verhält man sich wie ein Beutetier, wenn man nicht weiß, was zu tun ist Und wahrscheinlich ist das auch gut so, denn wenn man den Kopf unten lässt und seine Klappe hält, dann zieht man vielleicht keine Aufmerksamkeit auf sich und vielleicht kommt man so durch Ihr könntet euch – jedoch unwahrscheinlich – dazu entscheiden, einzugreifen und denjenigen unschädlich zu machen, aber damit wärt ihr die Ausnahme und nicht die Norm und das ist wenig überraschend Okay, also Was ich mit der Zeit realisiert habe, ist dass Weltanschauungen unsere Emotionen regulieren

Aber nicht bloß psychologisch, nicht nur – das würde der Terror-Management-Theorie entsprechen – dass wir eine Theorie in unseren Köpfen tragen, die die Welt erklärt und uns so die nötige Sicherheit gibt Es ist so ähnlich; wir haben eine Theorie, die die Welt erklärt, aber der Grund dafür ist, dass andere Menschen dieselbe Theorie haben und wenn beide die Theorie in die Praxis umsetzen, bekommen beide was sie wollten Und dieses Zusammenkommen von Theorie und Ergebnis führt dazu, dass ihr leben könnt Es unterbindet nicht nur euer Angstgefühl und bringt euch die Zufriedenheit, die daraus resultiert, dass ihr bekommt was ihr wollt, sondern es geht über das Psychologische hinaus; die Tatsache, dass wir innerhalb unserer Gesellschaften miteinander kooperieren, dass wir unsere Weltanschauungen aufeinander abstimmen und dann ausleben, das ist die Voraussetzung für eine funktionierende Gesellschaft Also schützt es einen nicht nur vor Todesangst, wie die Terror-Management-Theoretiker meinen, sondern vor dem Tod selbst! Und das ist gut; gegen Todesangst gewappnet zu sein ist auch schon nicht schlecht, aber tatsächlich nicht zu sterben ist das grundlegende Ziel eines jeden von uns Und deswegen haben Menschen allen Grund dazu, ihr Territorium zu verteidigen, wenn man sich das Territorium als eine Domäne vorstellt, in der die grundlegenden Annahmen eines jeden Bürgers auf die Verhaltensweisen der übrigen Mitbürger abgestimmt sind; es ist entscheidend, das zu verteidigen Und es kann fatale Folgen haben, wenn das auseinanderbricht Es artet in Chaos aus, und dieses Chaos destabilisiert die Betroffenen nicht nur psychologisch, es destabilisiert alles; die Währung, die Industriewirtschaft, die Lichter gehen aus; es verheisst nichts Gutes Daher ist es kein Wunder, dass Menschen es verteidigen Dann fing ich an darüber nachzudenken, was eine Weltanschauung war Und ich kam zu der Erkenntnis, dass eine Weltanschauung letztendlich aus einer Reihe an moralischen Richtlinien bestand Und moralische Richtlinien sagen einem, wie man sich verhalten soll Und auch wie man seine Wahrnehmung ausrichten soll Und der Grund dafür, dass moralische Richtlinien nötig sind, um die eigene Wahrnehmung auszurichten ist, dass man ohne einer Wertehierarchie nichts betrachten kann Nicht wahr? Denkt drüber nach; wie viele verschiedene Dinge in diesem Raum könntet ihr euch anschauen? Es ist eine unzählbare Menge Alleine schon die ganze winzigen Quadrate in diesem Stoffmuster; die könntet ihr eins nach dem anderen bis ans Ende der Zeit betrachten Aber das macht ihr nicht Tatsächlich wäre es so, dass wenn ich die meisten von euch aus dem Raum hier nehmen würde, besteht nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass ihr mir sagen könntet, welche Farbe die Wände hatten, oder ob die Dinger da überhaupt an den Wänden waren Und der Grund dafür ist, dass es einfach egal ist Solange die Wände sich nicht bewegen, ist die Farbe egal und es gibt schlicht keinen Grund, sie sich zu merken Sie hat keinerlei emotionale Bedeutung Sie hat keinen Wert Und was ihr stattdessen macht ist, dass ihr euch fragt: “Warum bin ich hier?” Und ich meine nicht im weiteren, metaphysischen Sinn, sondern speziell in diesem Moment, und ich würde sagen, dass ihr also offensichtlich Studenten seid, und ihr versucht, einen Abschluss zu machen, weil ihr annehmt, dass das einen funktionalen Wert hat, vielleicht seid ihr dadurch ein bisschen weiser und ein bisschen gebildeter, könnt ein bisschen besser denken und euch ein bisschen besser schriftlich ausdrücken und seid damit besser auf die Welt vorbereitet Das wäre nicht schlecht Und vielleicht seid ihr interessiert; jedenfalls seid ihr in dieser speziellen Vorlesung, damit ihr diesen speziellen Kurs abschließen könnt, um einen speziellen Abschluss zu erlangen, um euer selbstständiges Leben zu beginnen, in dem ihr wahrscheinlich jemandem begegnet, mit dem ihr eine langfristige Beziehung führen werdet, mit dem ihr Kinder kriegt und euch an der Gesellschaft beteiligt; deswegen seid ihr hier Aus all diesen Gründen zur selben Zeit Und das hilft euch dabei, euren Blick zu orientieren Und momentan bin ich es, den ihr anseht, oder zuhört, weil theoretisch ich in diesem Moment den Zugang zu diesen Errungenschaften darstelle Und daher konzentriert ihr euch auf mich Weil ihr all diese Dinge wertschätzt Und deswegen kann man die Welt ohne eine Wertstruktur gar nicht erst ansehen Es ist ein Chaos, wenn alles gleich unbedeutend oder gleich bedeutend ist

Es ist Chaos Von daher strukturiert ein Wertesystem auf direktem Wege, wie man die Welt wahrnimmt und ich meine das nicht metaphysisch; eine ganze Reihe an Experimenten hat das gezeigt, wie etwa das “Unsichtbarer Gorilla”-Experiment; wer von euch kennt es? Wer nicht? Nun Grob gesagt handelt es sich um ein Video, bei dem zwei Teams zu sehen sind; eines in schwarz und eines in weiß, ein Basketball wird zwischen den Teams hin und hergespielt und man soll die Pässe zählen Und so folgt man also gewissenhaft der Anweisung, aus welchem Grund auch immer, tut man was der Experimentator einem sagt und zählt die Basketballpässe und denkt sich: “Naja, das war jetzt nicht besonders schwer; es waren 16 oder so.” Also sagt man: “16.” Und sie fragen: “Haben Sie den Gorilla gesehen?” Und die Hälfte von euch würde sagen: “Wovon sprechen Sie?” Und der Experimentator sagt: “Schauen wir es uns noch einmal an, aber dieses Mal ohne zu zählen.” Und tatsächlich, nach ungefähr 30 Sekunden – und die Spieler füllen schon das Bild aus, es ist nicht als wären sie 275 Meter weit entfernt auf Ameisengröße am Basketballspielen; sie füllen das Bild aus, man kann ihre Gesichter sehen – und tatsächlich, nach 1 Minute kommt jemand im Gorillakostüm – ebenfalls nicht klein, weder er noch das Kostüm – ins Bild gelaufen haut sich fünf Sekunden lang auf die Brust und verschwindet dann Und sogar mehr als die Hälfte der Probanden haben ihn nicht gesehen; es ist sogar noch heftiger: Dan Simon hat ein weiteres Experiment durchgeführt, bei dem man an einer Kasse in einem Geschäft steht, und mit einem Kassierer spricht und der Kassierer beugt sich herunter, um scheinbar etwas aufzuheben und ein anderer Kassierer kommt wieder hoch Und man denkt sich: “Hey, also das würde ich bemerken!” Aber das stimmt nicht Und die Kassierer können sogar ziemlich stark voneinander abweichen Und Menschen bemerken das nicht Daher konzentrieren wir uns auf ganz bestimmte Dinge und bemerken so etwas nicht, weil es letztendlich unwichtig ist Was unsere eigentliche Handlung in dem Moment anbelangt, ist der Kassierer austauschbar Für uns reicht es aus, wenn das Wesen sich wie ein Kassierer verhält Also Weltanschauungen strukturieren unsere Wahrnehmung. Oder nennen wir sie lieber Wertesysteme Sie strukturieren eure Wahrnehmung Und sie leiten eure Handlungen, denn ihr handelt euren Werten entsprechend Bewusst oder unbewusst Ihr habt Wertvorstellungen, von denen ihr nichts wisst, weil ihr euch selbst nicht besonders gut kennt Ihr könnt das daran erkennen, dass ihr euch manchmal zu Menschen hingezogen fühlt, obwohl ihr ganz genau wisst, dass das ein Fehler ist Oder ihr versucht zu lernen und macht es doch nicht Ihr habt euch selbst also nicht wirklich unter Kontrolle Ein bisschen schon Und je ganzheitlicher ihr auftretet, desto mehr Kontrolle habt ihr, aber in gewisser Weise seid ihr eine lose Ansammlung an zankenden Subpersönlichkeiten, die zwar mehr oder weniger auf dasselbe Ziel hinarbeiten, abhängig davon, wie verpflichtet ihr euch fühlt und wie gut ihr die Handlung durchdacht habt und wie sehr ihr an die Sache glaubt Und auch wie viele der Widersprüche in eurer Weltrepräsentation ihr beseitigt habt All das Wie dem auch sei; es sind Wertesysteme, die unsere Handlungen und Wahrnehmungen leiten und wir werden das in diesem Kurs von der existenziellen Perspektive betrachten Von der phänomenologischen und existenziellen Perspektive Phänomenologisch bedeutet, dass wir von der Annahme ausgehen werden, dass das was man erlebt real ist Alles davon Dabei teilen wir die Welt nicht in Objekt und Subjekt, so funktioniert diese spezielle Herangehensweise nicht, es ist mehr man hat einen Sektor an Erfahrungen, unter anderem Schmerz, was nicht wirklich etwas Objektives darstellt, aber dennoch echt ist. Eines der Dinge, die ich mit der Zeit festgestellt habe ist, dass – und ihr müsst mir übrigens nicht zwingend glauben Solltet ihr ein Argument haben, warum etwas davon keinen Sinn macht, dann nur zu, denn ich versuche euch die Schlüsse näherzubringen, zu denen ich durch fundamentale Annahmen gekommen bin und die ich nicht umstoßen konnte, aber das bedeutet nicht, dass ihr es auch nicht schafft und ihr solltet es versuchen Wie auch immer Ein Moralsystem sagt euch, wie ihr handeln und was ihr sehen sollt und ein gemeinsames Moralsystem hält eure Emotionen unter Kontrolle

und befriedigt eure motivationalen Bedürfnisse Nun gibt es da diese alte Idee von David Hume. Er hat bekanntlich postuliert: “Aus dem Sein lässt sich kein Sollen ableiten.” Und was er damit gemeint hat ist, dass das bloße Wissen um objektive Fakten einem nichts darüber verrät, wie man sie in sein Leben implementieren sollte Sodass hier eine Lücke entsteht Man könnte anmerken – und meiner Meinung nach trifft es zu – dass dies eine erwünschte Konsequenz aus der wissenschaftlichen Bestrebung ist Denn eines der Dinge, die ein Wissenschaftler macht ist, die Wertstellung eines Objektes zu ignorieren, denn es ist unwichtig was eure spezifische Auffassung von dem Objekt ist; ich will wissen inwiefern ihr das Objekt wahrnehmt, sodass jeder andere es zumindest auf dieselbe Weise wahrnehmen würde Auf diese Weise wird jede Subjektivität beseitigt Somit könnte es um eine nötige Konsequenz der wissenschaftlichen Methode handeln, dass die Moral außen vor gelassen wird Darüber wird gestritten; Sam Harris zum Beispiel behauptet, dass es möglich ist, eine wissenschaftliche Moral zu formulieren Ich glaube nicht daran, denn meiner Meinung nach ist es viel zu kompliziert, rationale Entscheidungen über Werte zu treffen Viel zu kompliziert; das ist etwas, das sich über Zeit entwickeln muss, es kann nicht einfach der Marxismus sollte so eine wissenschaftliche Utopie darstellen, basierend auf wissenschaftlichen Werten; es hat einfach nicht funtioniert wie auch immer Also ich jedenfalls schenke Hume Glauben, dass es nicht möglich ist aus dem Sein ein Sollen abzuleiten Das ist ein Problem Zum einen, weil man nicht weiß, wie man sein sachliches Wissen implementieren sollte sollte man zum Beispiel Geld für die AIDS- oder für die Krebsforschung ausgeben oder doch lieber für die höhere Bildung? Wie zur Hölle soll man das rational kalkulieren? Es funktioniert nicht; man hat einfach nicht die nötigen Informationen zur Verfügung. Es ist unmöglich wisst ihr, ich habe mal für ein Vereinte Nationen-Kommittee gearbeitet und dort hatten sie 100 verschiedene Ansätze zur Weltverbesserung, aber es gab keine festgelegte Reihenfolge; niemand wusste ob dieser Vorschlag zuerst umgesetzt werden soll oder doch lieber ein anderer weiter kam man nicht. Offensichtlich muss man mit etwas anfangen und somit manche Dinge als wichtiger einstufen als andere, auch in seinem eigenen Leben Wenn alles von gleicher Bedeutung ist, ist man paralysiert Es ist wohl eine Binsenweisheit, dass mit dem Anbruch der wissenschaftlichen Revolution ein Keil durch das Herz unserer Gesellschaft getrieben worden ist, sodass die Moralsysteme, die uns in der Vergangenheit vereinigten – das wären im Grunde also religiöse Systeme – unter scharfer Kritik seitens der Wissenschaftler stehen Und die Kritik ist auch ziemlich effektiv; selbst wenn man seine Glaubenstradition beibehalten hat ist der wissenschaftsgetriebene Ansturm darauf kein Witz Und das stellt ein Problem dar, soweit ich sagen kann, denn man steht immer noch vor der Frage, wie man handeln soll Der Philosoph Nietzsche sagte, dass der Westen auf den letzten Tropfen des Christentums fahre Denn während des Jahrtausends, oder besser gesagt der 1500 Jahre in denen das Christentum absolut dominiert hatte, etablierte es eine auf metaphysischen Annahmen basierende Übereinstimmung über die Moral, woraus Gesellschaftsordnungen hervorgingen Diese Gesellschaften basierten also auf einem bestimmten Glauben; ich würde sagen, etwa dem Glauben an etwas Göttliches, das jedem Individuum innewohnt diese Annahme unterliegt auch unserem Verständnis vom Gesetz und sozusagen den Naturrechten: “Da ist etwas dermaßen Wertvolles in Dir, dass selbst das Gesetz sich dem beugen muss, selbst wenn Du verabscheuungswürdig bist und bereits verurteilt wurdest.” Und das.. man, dass Menschen auf so eine Idee gekommen sind ist ein verfluchtes Wunder, denn im Normalfall geht der Mensch davon aus, dass wenn jemand auch nur unter Verdacht steht, etwas Schreckliches verübt zu haben, so reicht das bereits aus, um ihn zu Tode zu steinigen oder sonst was

“Unschuldsvermutung bis die Schuld bewiesen wurde?” Großer Gott! Von all den Dingen, die nicht von Natur aus gegeben sind müsste das ganz oben auf der Liste stehen Es ist schlicht unglaublich, dass das so gehandhabt wird Ich finde es faszinierend, denn mir scheint es, als wäre diese Annahme, dass da etwas Transzendentes in jedem Individuum stecke ich würde das nicht unbedingt als eine wissenschaftliche Annahme bezeichnen, aber es scheint eine überaus praktische Annahme zu sein Meiner Meinung nach zumindest. Insofern, als dass es vertretbar ist zu folgern, dass Gesellschaften, die das Individuum wertschätzen und das Gesetz dem Individuum untergeordnet haben, auch in Bezug auf Wahlrechte – im Grunde sind Wahlen genau dafür da, um dem Volk die Herrschaft zu geben – gerade diese Gesellschaften scheinen zu funktionieren Nun, ob sie auch über die nächsten 300 Jahre funktionieren werden – wer weiß das schon, ich zumindest nicht, aber zumindest haben sie in den letzten sagen wir mal 500 Jahren ziemlich gut funktioniert Und jetzt im Moment geht’s uns ebenfalls ziemlich gut Ich gehe davon aus, dass die meisten von euch ziemlich froh sind, dass das Gesetz euren Wert als Individuum respektiert Und ihr betrachtet das als selbstverständlich, stimmt’s? Ihr glaubt, Rechte zu haben Und natürlich sind die Rechte, die ihr habt – die Naturrechte – eine logische Konsequenz eurer transzendenten Werte Und laut Nietzsche ist das in einer Reihe von metaphysischen Annahmen eingebettet Und seinem Konzept nach – sorry – würde das gesamte System letztendlich zusammenstürzen, wenn man diese metaphysischen Annahmen auswischen würde Denn dann hätte man die Grundsteine herausgeschlagen Und möglicherweise würde eine lange Zeit vergehen, während das Ganze wackelt und dann schließlich fällt, aber dass es fällt steht fest Ob er nun recht hatte oder nicht ist schwer zu sagen für mich sieht es so aus, als wäre seit Nietzsches Ankündigung über den Tod von Gott in den späten 1800 die westliche Gesellschaft zwischen Extremen hin und hergependelt Extreme am rechten Spektrum – Deutschland -, Extreme am linken Spektrum und Demokratien, die es schafften, ungefähr in der Mitte zu bleiben Aber es ist meiner Meinung nach nicht selbstverständlich, dass das aufrechterhalten werden kann, ohne die zugrundeliegende Metaphysik zu bewahren Und da liegt das Problem, denn was immer man auch über die zugrundeliegende Metaphysik sagen kann sie ist nicht auf dieselbe Weise wahr wie die Wissenschaft wahr ist Und möglicherweise ist das in Ordnung, weil es sein könnte, dass es mehrere Arten von Wahrheit gibt – und meiner Meinung nach ist das der Fall -, ich denke, dass es die pragmatische Wahrheit gibt Und ich denke, dass die pragmatische Wahrheit tiefgründiger ist, als die wissenscaftliche Wahrheit Und pragmatische Wahrheit ermöglicht es einem so zu handeln, wie es am besten so zu handeln, dass – grob gesagt – die Wahrscheinlichkeit, dass man das meiste aus seiner Existenz und seinem Fortpflanzungspotenzial herausholt, ansteigt Das ist ein darwinistisches Konzept – eines der Dinge, die auf die darwinistische Theorie zutreffen ist, – und das stellt sie in Opposition zum wissenschaftlichen Materialismus, würde ich sagen – Darwins Theorie besagt, dass man kein priviligiertes Wissen über die Welt besitzt Und das sieht man; nämlich daran, dass man stirbt Wenn man genügend Wissen über die Welt hätte, würde man nicht sterben, da man aber nun mal stirbt, verkörpert man gewisserweise eine Theorie, die gut genug ist, um einen so um die 80 Jahre lang am Leben zu halten mit einer angemessen Wahrscheinlichkeit, dass man Kinder zeugen kann und dass sie überleben werden – das war’s, mehr haben wir nach 3 Milliarden Jahren Evolution nicht zustande gebracht Diese Lösung, diese Handlungsweise ist gut genug; eine bessere kennen wir nicht und tatsächlich ist unser Weltbild im darwinistischen System eingebettet Es könnte sein, dass es auf pragmatischen Wahrheiten beruht und nicht auf objektiven; pragmatische Wahrheiten haben einen funktionellen Nutzen Und wir sind am Leben, uns liegt etwas daran, am Leben zu bleiben Wir tendieren dazu, unsere Theorien als Werkzeuge zu benutzen – es ist möglich, dass unsere Theorien letztlich nichts anderes als Werkzeuge sind Und dass ihr Zweck darin besteht, uns am Leben zu halten Ich habe neulich etwas über Camille Paglia gelesen und ich habe einige Ähnlichkeiten entdeckt – sie ist eine bekannte ich würde sagen Ruhestörerin von Feministen – von klassischen modernen Feministen, obwohl sie sich selbst ebenfalls als Feministin sieht Unglaublich schlau. Wenn ihr jemanden sehen wollt, der schier unglaubliche verbale Fähigkeiten hat, dann schaut euch Camille Paglia an

Sie wirkt ein wenig manisch auf mich; sie kann Argumente mit einer Geschwindigkeit vorbringen, die schlicht irre ist und ist gleichzeitig sehr schlüssig Sie debattiert ihre Gegner für gewöhnlich in Grund und Boden, sie ist wirklich genial Sie hat etwas interessantes gesagt – und unsere Einflüsse überschneiden sich teilweise – ihr hat dieses eine Buch von Erich Neumann gefallen: “Ursprungsgeschichte des Bewusstseins”, welches ich denjenigen empfehlen würde, die an Carl Jungs Theorien interessiert sind Es ist eine gute Einführung in die jungianische Theorie; es beschreibt die Entwicklung des Bewusstseins Und es basiert genau wie Jungs und auch Joseph Campbells und Mircea Eliades Werke – die alle von den Postmodernisten kritisiert oder ignoriert wurden – auf dem Gedanken, dass Menschen ein zentrales Narrativ haben Und dass dieses zentrale Narrativ der dramaturgische Ausdruck des notwendigen menschlichen Wertesystems ist Und dass das in uns verbaut ist Es ist Teil unserer menschlichen Natur Wir sind nicht beliebig durch Kultur formbar Wie die Postmoderne es behauptet. Eine gefährliche Behauptung Gefährlich, falls wir eine Natur haben sollten Paglia hat diese Ahnung, dass der gebührende Grund dafür, an einer Universität zu studieren es nicht etwa ist, vorschnelle und destruktive Kritik an etwas zu üben, das man noch nicht einmal versteht, sondern um so viel wie nur möglich über Kunst, Literatur und Poesie und Schauspiel und Dichtung und religiöses Gedankengut zu lernen Und das alles zusammen – was ist das eigentlich? Es ist Kunst; es ist Kultur; Musik gehört ebenfalls dazu Und was hat es überhaupt mit Musik auf sich? Jeder liebt sie, oder fast jeder zumindest – es ist ein Mysterium Musik kommt einem beim Hören ziemlich bedeutungsvoll vor und sie verhilft Menschen über ganz schön schwere Zeiten hinweg – warum? Es ist nicht selbsterklärend, so viel steht fest In den meisten Kulturen spielt Musik eine zentrale Rolle bei der Identitätsbildung und ihr werdet wahrscheinlich mit zunehmendem Alter feststellen, dass die Musik, die ihr zwischen 16 und 20 gehört habt eure Lieblingsmusik ist Sie drückt euch sozusagen einen Stempel auf Und sie definiert eine Generation Und es ist möglich und sogar sehr wahrscheinlich, dass in unseren ehemaligen Stammesgesellschaften als einem die Kultur des Stammes eingeschärft wurde dies mithilfe von Tanz und Masken und Musik gleichzeitig geschehen ist Auf diese Weise wurde man dazu eingeladen, an diesem Schauspiel teilzunehmen Und seine eigene Rolle darin zu spielen Und sich das Ganze als eine Repräsentation der wirklichen Welt vorzustellen ist schlicht falsch; darum handelt es sich dabei nicht Es handelt sich um eine Einladung zum Schauspiel Und dann könnte man sich die Frage stellen: “Ist dieses Schauspiel echt?” Und die Antwort darauf lautet: “Kommt darauf an, was man mit ‘echt’ meint.” Ich denke, dass wirklich bedeutsame Schauspiele echter als echt sind Sie sind überecht Sie sind überecht, weil sie eine abstrakte und vielleicht sogar generische Anleitung zum richtigen Verhalten darstellen, die aber in einer Vielzahl von Situationen Gültigkeit besitzt Stellt euch Folgendes vor: ihr wacht morgens auf, erledigt ein paar Dinge, dann fragt euch jemand, was ihr gemacht habt, und ihr sagt: “Nun, das Erste, was ich heute gemacht habe war, meine Augen zu öffnen das Zweite war, zu überlegen, ob ich weiterschlafen soll dann habe ich die Decke beiseitegeschoben und meine Füße auf den Boden gestellt und bin aufgestanden; dabei habe ich ununterbrochen geblinzelt und geatmet und dann habe ich meine Klamotten..” – wollt ihr so jemandem wirklich weiter zuhören? Nein, wollt ihr nicht Man denkt sich: “Warum erzählst du mir das alles? Ich will, dass du mir etwas Interessantes erzählst.” Nun, was ist denn interessant? Und warum ist es nicht das? Es ist nicht selbsterklärend Und nun stellt euch stattdessen vor, dass derjenige euch eine ganz gute Geschichte erzählt; ein kleines Abenteuer Wahrscheinlich hat er etwas Gewöhnliches gemacht; etwas Unerwartetes ist passiert; er musste spontan darauf reagieren; er hat das Problem entweder beseitigt, oder nicht beseitigt; ja, an so etwas seid ihr interessiert!

Insbesondere wenn er das Problem beseitigen konnte, denn wenn er euch mitteilen kann, wie ihm das gelungen ist als er sich in einem unerforschten Territorium wiedergefunden hat und es schaffte, die Situation unter Kontrolle zu bringen dann könnt ihr möglicherweise davon profitieren, ist dann leicht erlangtes Wissen für euch; er hatte den ganzen Ärger am Hals und musste sich mit der Situation herumschlagen, während ihr bloß zuhören müsst Und das ist grob gesagt eine klassische Geschichte: Da ist ein Mann, oder eine Frau, das ist irrelevant sie gehen ihrem Alltag nach etwas wirft sie aus der Spur und sie befinden sich in Chaos Chaos ist ein Ort Chaos ist ein Ort, an dem man sich wiederfindet, wenn das, was man macht nicht länger mit der Welt zusammenpasst Und dieses Chaos kann verschiedene Stärkegrade einnehmen, eventuell wacht ihr auf und stellt fest, dass euer Haus ausgeraubt worden ist, oder dass eines eurer Elternteile Alzheimer hat, oder eine andere tödliche Krankheit, oder vielleicht betrifft das euch selbst, oder vielleicht ist eure ganze Familie ermordet worden, oder ein Krieg ist ausgebrochen, oder oder Chaos hat verschiedene Stärkegrade und ich denke, dass man es messen kann, indem man bestimmt, wie viel von dem, was man tut und was man erwartet von diesem Ereignis durcheinandergebracht worden ist Denn je mehr es durcheinandergebracht wird, umso destabilisierender wirkt es sich auf einen aus Wenn also jemand zu euch sagt, dass ihr in 3 Monaten qualvoll verenden werdet das wäre ziemlich übel! Dann steckt ihr bis zum Hals in unerwartetem Territorium; nichts von dem was ihr grob gesagt für echt gehalten habt ist dann noch echt Wir mögen es, Menschen zu beobachten, die in ihrem Alltag von etwas aus der Bahn geworfen werden und dann einer Chaosherrschaft unterliegen, die sie zum Erkunden und Sammeln neuer Informationen zwingt und entweder sich selbst oder die Welt um sich herum neu ausrüsten, denn beides würde das Problem lösen und dann auf der anderen Seite erscheinen und es steht besser um sie, als zu Beginn Oder zumindest genauso gut, aber besser ist besser – das wäre dann ein glückliches Ende Ein glückliches Ende und damit wäre das Ganze genau genommen eine Komödie Von daher strebt ihr an, dass euer Leben einer Komödie gleicht Nicht dass es witzig sein soll, denn genau genommen muss eine Komödie nicht witzig sein Sie ist bloß das Gegenteil von einer Tragödie Eine Tragödie wäre: euch geht’s ganz gut und plötzlich passiert etwas Unvorhergesehenes und das war’s Und das kann definitiv auch passieren und das tut es auch ständig Aber was ihr wollt, ist eine Komödie Nun womit ich hoffe auszustatten hoffe ist ein magischer Code Wisst ihr vor einer Weile ist da dieses Buch erschienen Tom Hanks hat in der Verfilmung mitgespielt Er spielte einen Harvard-Professor, der um die Welt herumreiste und verschiedene Rätsel löste Erinnert ihr euch an den Namen? “The Da Vinci Code!” Jeder mochte den Hat sich sehr gut verkauft Die Handlung war voll von kleinen Geheimnissen und Andeutungen, dass hinter der Welt mehr steckt, als man denkt Der Teil ist auf jeden Fall wahr Und dass es einen Weg gibt, an dieses ganze Wissen zu kommen und das wäre absolut die Mühe wert Und dieser Gedanke hat den Menschen gefallen und zwar aus dem Grund, dass es tatsächlich der Wahrheit entspricht Es ist wahr es ist wahr wie es auf dieselbe Weise wahr, wie Romanliteratur wahr ist. Ok, zurück zu dem Kerl, der euch von seinem Morgen erzählt Er erzählt euch etwas Spannendes Jetzt stellt euch vor, dass 10 Menschen euch jeweils etwas Spannendes erzählen Und dann zieht ihr das übergreifende Muster der Problemlösung aus den Erzählungen Das ist es, was ein Schriftsteller tut Denn man will ja nicht, dass das Buch die alltäglichen Handlungen von normalen Leuten behandelt ich meine, ihr wisst auch so schon, wie man in gewöhnlichen Zeiten normal ist; darin ist nichts Nützliches Ihr würdet euch keine Videoaufzeichnung von euch selbst anschauen stellt euch vor ihr würdet euch euch an einem Tag auf Video aufnhemen und dann guckt ihr euch am nächsten Tag die Aufzeichnung an Ich meine, große Güte! Wer würde das machen wollen! Was also allem Anschein nach in Erzählungen passiert, ist dass sie zusammenfassen Sie fassen zusammen. Menschen beobachten Menschen Und dann erzählen sie, was sie gesehen haben. Aber sie lassen eine ganze Menge aus ihren Erzählungen aus All die langweiligen Stellen – hoffentlich! Und dann kommen immer mehr und mehr spannende Erzählungen zusammen und vielleicht kommt ein großer Schriftsteller daher und schreibt etwas wirklich wirklich Interessantes Mit tiefgründigen Charakterwandlungen Und dann sagt ihr: “Nun, das ist Fiktion.”

Ihr sagt: “Das ist nicht wahr weil es Fiktion ist.” Aber möglicherweise ist das nicht korrekt Möglicherweise ist es mehr als wahr Denn wer will schon die Wahrheit die Wahrheit ist banale Realität und das habt ihr bereits drauf Was ihr wollt ist eine Destillation von interessanten Erfahrungen Und ihr könntet denken “Warum ist es interessant?” Und das ist eine wirklich gute Frage, denn tatsächlich wisst ihr das nicht Und glaubt mir, wenn ich sage, dass ihr es nicht wisst. Denn ihr werdet euch für Dinge interessieren, die überhaupt keinen Sinn machen Ich werde euch heute ein wenig durch Pinocchio leiten und wir werden nächstes Mal damit weitermachen Aber zuerst möchte ich euch ein wenig über diesen Film erzählen, damit ihr wisst, wie verrückt ihr seid Also ihr kennt die Handlung. Wie viele haben den Disney-Film Pinocchio gesehen? Also eine Menge Leute Das ist schon seltsam genug Dass so viele Menschen ihn gesehen haben Und es lohnt sich darüber nachzudenken. Wisst ihr, normalerweise zeigt man seinen Kindern den Film Aber wenn man mal drüber nachdenkt man verhält sich ganz schön seltsam, wenn man da sitzt und den Film schaut. Zuerst einmal handelt es sich um Zeichnungen Niedrige Auflösung Zeichnungen Aber euch ist das egal Und vielleicht schaut ihr Die Simpsons, oder das.. wie heißt das nochmal das eine, was sich so auf politische Korrektheit eingeschossen hat South Park! Mein Gott, diese Animationen, Mann! Die sind einfach nur schrecklich! Stimmt’s? Einfach grauenhaft. Könnte nicht schlimmer sein Ist euch egal Ich meine runde Köpfe Lächeln ein bisschen Herumgeschlurfe was euch anbetrifft ist das ein Mensch Es ist einfach unwichtig und wenn die Auflösung höher wäre, würde das nicht helfen Man braucht nur das Grundgerüst, nicht wahr? Um seine Wahrnehmung auszurichten Also schaut ihr auf diese Zeichnungen; Pinocchio. Wunderschöne Zeichnungen In einer Aufeinanderfolge animiert Ihr seht nichts, das echt wäre, sondern eine reine Konstruktion Und nun denkt mal über die Handlung nach, da ist also es ist völlig absurd Alles daran ist absurd, da ist nun, eine der Figuren ist ein Käfer Und es stellt sich heraus, dass er das Gewissen verkörpert.. also, was zur Hölle? Was hat es damit auf sich? Und dann eine weitere Figur ist diese Puppe Eine Marionette Und naja, irgendwie wird er von seinen Fäden befreit und begibt sich auf ein Abenteuer und dann wird er an alle möglichen ruchlosen Orte gelockt von einem Fuchs und einer Katze und dann befreit er seinen Vater aus einem Wal Und man weiß nicht mal, wie der Vater in den Wal gelangt ist das letzte Mal, das man ihn sieht ist er in einem Regensturm und plötzlich ist er im Wal Und ihr sitzt da und denkt: “Hey, kein Problem. Das macht alles totalen Sinn.” Was, wirklich? Warum? Inwiefern macht das Sinn? Nun, die Antwort ist: ihr wisst es nicht Das ist das wirklich coole daran Ihr wisst es nicht. Ihr wisst nicht einmal, was ihr euch anschaut Aber das ist egal Ihr guckt es und ihr seid interessiert und wollt herausfinden, was mit dieser Puppe passieren wird Ihr wollt wissen, ob aus ihm am Ende ein echter Junge wird Weil es wichtig erscheint Und jetzt fragt ihr also: “Ist Pinocchio wahr?” Nun, das ist eine dumme Frage Es ist zum Teil deswegen eine dumme Frage, weil es davon abhängt, was ihr unter “wahr” versteht Und für mich ist es nicht selbsterklärend was ihr darunter versteht wenn ihr sagt, dass etwas wahr ist Und der Grund, warum es nicht eindeutig ist, ist wir gehen in unserer Gesellschaft von dieser Annahme aus, und es ist eine wirklich profunde Annahme die Annahme, dass die ultimative Wahrheit wissenschaftlicher Natur ist Und dass sie uns das Wesen der Welt offenbart Und sie tut das gewissermaßen endgültig, sodass keine Widersprüche gestattet sind Die Physiker haben es ausgeknobelt und deswegen können sie Wasserstoffbomben bauen und das ist ein ziemlich guter Beweis dafür, dass sie recht haben Aber ihr verhaltet euch nicht so, als wäre das wahr Und ihr schaut auf Dinge und schenkt Dingen Beachtung und seid ergriffen von Dingen die nicht auf dieser Annahme basieren Und es scheint mir, dass es zwar die Frage gibt, woraus die Welt gemacht ist, aber dass die wichtigere Frage ist: wie man sich auf der Welt verhalten sollte Und das ist es, was ihr wirklich wissen wollt Das ist das Wissen, wonach sich Menschen am allermeisten sehnen Denn das müsst ihr wissen, denn hier seid ihr in der Universität; ihr wisst nicht, was ihr da tut Ich meine, einige wissen mehr als andere Aber ihr steht am Anfang eures Lebens und das Leben ist sehr komplex und chaotisch und und es ist nicht eindeutig, welche Beziehungen ihr aufbauen sollt und was für einen Charakter ihr entwickeln sollt

oder für welchen Job ihr euch entscheiden sollt oder hier ist eine gute Frage: was ist der Sinn des Lebens? Und viele der Menschen, die zur Universität kommen wollen genau das herausfinden Paglia ist der Meinung, dass ihr könnt es euch so vorstellen: artikuliertes Wissen ist eingebettet in unartikuliertem Wissen Und unartikuliertes Wissen ist die Domäne der Literatur, der Kunst und der Hochkultur Und wir wissen ungefähr, was es bedeutet – aber nicht ganz. Es bedeutet mehr als wir wissen Und außerhalb davon ist das, was wir überhaupt nicht wissen Und diese Idee hat Jung auch gehabt und vielleich hat Paglia sie von ihm übernommen. Jung dachte, dass es zum einen die Domäne gibt, die wir gemeistert haben. Und drum herum ist die Domäne, die wir nicht gemeistert haben – das unerforschte Territorium und dagegen gehen wir mithilfe unserer kreativen Vorstellungskraft vor Und versuchen damit, Herr des unerforschten Territoriums zu werden. Dazu bringen wir Schauspiele hervor Schauspiele, die wir nachahmen können, und die uns helfen, mit dem fertigzuwerden, was wir noch nicht gemeistert haben Und außerhalb dessen ist das, was wir überhaupt nicht wissen Und Paglia, sowie Jung waren der Ansicht, dass bevor wir diese Einbettung zu verstehen wir zu zerstäubt sind Dann sind wir nicht Teil unserer historischen Tradition Dann haben wir den Geist unserer Vorfahren nicht integriert Die all das erbaut haben Ihr seid gerade jetzt hier und ihr wisst auch nicht, was zu tun ist. Ihr wisst nicht, wie ihr eure Kultur aufrechterhalten und wie ihr ihr dienen könntet Und ihr könntet euch fragen, warum ihr eurer Kultur dienen solltet. Und ich habe eine Hypothese dazu Ihr könnt drüber nachdenken, ich weiß nicht, ob es wahr ist, aber: Menschen stellen sich die Frage nach dem Sinn des Lebens und mir es scheint so, als wäre der Sinn proportional zur Übernahme von Verantwortung Sagen wir mal ihr habt eine Schwester, die ungefähr drei ist Und ihr kümmert euch um sie Zu hinterfragen, ob das eine gute Idee ist erscheint einfach dämlich Ihr wisst, was ich meine. Es ist schlicht nicht die richtige Art von Frage, es ist offensichtlich, oder sagen wir mal selbstverständlich, dass man es tut Und findet ihr es sinnvoll? Wahrscheinlich schon. Mit einem kleinen Kind zu interagieren als ich kleine Kinder hatte, unter 2 Jahren, haben wir sie mit zu bereits älteren Verwandten genommen Sie haben dieses 2-jährige Kind überwacht, als wäre es ein Feuer gewesen Jede Sekunde, die das Kind in dem Raum verbracht hat, war jeder einzelne Erwachsene darauf fokussiert Dem widmen sich Menschen nunmal Das ist eine Sinnquelle. Was erscheint sonst noch sinnvoll? Nun, eure Familienbeziehungen Eventuell auch die Verantwortung, die ihr als Freund übernehmt Vielleicht auch die Entscheidung, eine bestimmte Karriere zu verfolgen und einen Nutzen für die Gesellschaft zu bringen Teilweise ist das durch den Wunsch motiviert, die eigene Sicherheit aufzubauen und voranzukommen und das ist in Ordnung Aber ebenfalls spielt man eine wesentliche Rolle dabei, die Struktur aufrechtzuerhalten, die einen trägt Meine Beobachtung in meiner klinischen Praxis war, dass Menschen eine miserable Zeit haben, wenn sie nicht eine Funktion erfüllen Man könnte denken: “Ach, jetzt muss ich um 9 zur Arbeit und habe diesen strikten Zeitplan.” Man sollte wahrscheinlich dankbar dafür sein, denn ich habe beobachtet, dass Menschen, die diese Schranken verlassen, umherdriften Sie werden depressiv, sie werden besorgt. Sie wissen nichts mit sich anzufangen Wie Schlittenhunde ohne Schlitten Und wir sind Schlittenhunden ziemlich ähnlich, soweit ich das beurteilen kann. Lasttiere. Wir brauchen das, Mann Wir brauchen eine Last Und die Frage ist, welche Art von Last braucht man? Und hier ist der Grund dafür, dass ich denke, dass wir das brauchen Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, wie man herauszufinden könnte, was real ist

Und da ich ein Existenzialist bin, gehe ich davon aus, dass man sagen kann, was Menschen glauben, indem man beobachtet, wie sie sich verhalten Mir ist egal, was sie sagen. Mir sind ihre Aussagen darüber, wie sie die Realität sehen egal Denn die Übereinstimmung zwischen dem was sie sagen und ihren Handlungen ist definitiv nicht perfekt und manchmal nicht einmal vorhanden Etwas, das ich festgestellt habe ist, dass niemand seinen Schmerz abstreitet Jeder, der Schmerzen verspürt verhät sich so, als wäre Schmerz real Also könnten wir sagen: die ultimative Realität ist Schmerz So verhalten sich Menschen Damit würden wir vielen religiösen Traditionen beistimmen Die Juden rufen sich immer vergangenen Schmerz ins Bewusstsein zurück Der christliche Gott ist ein gekreuzter Mensch, darin steckt einiges an Schmerz Als oberste Maxime für Buddhisten gilt, dass das Leben Leiden ist Es scheint mir, als würde da eine metaphysische Behauptung drinstecken: “Schmerz ist real.” Nun kommt es natürlich darauf an, was man mit “real” meint Aber Menschen verhalten sich, als wäre ihr Schmerz real, also ist das ein guter Ausgangspunkt Nun stellt das Ganze aber ein Problem dar Leben bedeutet Schmerz Leben ist Leiden, sagen wir mal. Und warum ist das so? Nun, weil man gebrochen werden kann, verletzt und zerstört Das scheint ziemlich selbsterklärend zu sein Und noch schlimmer: man weiß es Und das macht Menschen einzigartig Das ist unsere Selbstbewusstheit In gewisser Weise unterscheidet uns genau das von anderen Lebewesen Andere Tiere verfügen teilweise auch über eine Selbstbewusstheit, ein Chimpanse kann lernen, sich selbst im Spiegel zu erkennen, ebenso wie ein Delphin, aber da haben wir es mit ziemlich abgespeckter Selbstbewusstheit zu tun Echte Selbstbewusstheit ist das Wissen um seine Limits Und nicht nur die Räumlichen, sondern auch die Zeitlichen Und soweit ich das beurteilen kann, sind Menschen die einzigen Lebewesen, die die Zukunft für sich entdeckt haben Und das ist einerseits wirklich nützlich, weil wir für die zukunft planen können, aber andererseits auch ziemlich schlimm, denn die Zukunft ist begrenzt und das stellt einen ganz schönen Schock für das System dar Und das ist die existenzielle Last, die jeder tragen muss und die ganz und gar mit dem Leiden assoziiert ist Also ist das Leben begrenzt und es ist voller Leiden, eben weil es begrenzt ist Das ist es, was einen an seiner Existenz zweifeln lässt und vielleicht sogar an der Existenz an sich Was hat man also, um sich dagegen zu schützen? Nun, wir haben bereits ein wenig über Verantwortung gesprochen. Das scheint zu funktionieren Das Ausmaß an Verantwortung, das man in Bezug auf Dinge übernimmt scheint das eigene sinnvolle Engagement zu steigern So stellt sich die Frage nach der Tätigkeit, bei der man das größte Engagement verspürt wie wär’s damit, das Leiden zu verringern? Sodass man sein Leben lebt, ohne unangemessenen und vor allem unnötigen Schmerz zu verursachen, das wäre gut Und vielleicht kann man sogar noch nützlicher sein und Wege herausfinden, wie das Leiden verringert werden kann, sei es das eigene oder das von anderen Menschen – sowohl als auch, wenn man sich richtig gut anstellt Denn das scheint an und für sich ein sinnvolles Vorhaben zu sein; wenn der Schmerz einen am Sinn des Lebens zweifeln lässt, was völlig verständlich ist Dann müsste die Beendigung des Schmerzes, die Minimierung des Leidens als logische Schlussfolgerung die angemessene Behandlung darstellen Und so würde ich sagen gibt es eine Weise, auf die man sich verhalten kann, die einen zu einem guten Menschen macht Und ein guter Mensch zu sein bedeutet unter anderem, Leiden zu mindern Und ich glaube übrigens nicht, dass man das in Frage stellen kann Wenn es das Leiden ist, das einen an der Richtigkeit des eigenen Lebens zweifeln lässt, so kann man nicht gleichzeitig behaupten, dass die Beendigung des Leidens nicht sinnvoll wäre

Also kann man schon, aber das wäre völlig unzusammenhängend Man kann unzusammenhängende Dinge behaupten, wenn man unbedingt möchte Und so würde ich sagen dass diese destillierten Erzählungen, von denen ich gesprochen habe, diese Geschichten, die von großen Schriftstellern verfasst wurden, ich weiß insbesondere Dostoevsky zu schätzen, dessen Werke er ist jedem anderen Autor den ich jemals gelesen habe haushoch überlegen, zumindest was Romanautoren anbetrifft Er befasst sich mit den schwierigsten Fragen, die sich vor Menschen auftun Und seine Figuren vertreten beide Sichtweisen, und sie repräsentieren beide Seiten angemessen, es ist nicht so, als hätte Dostoevsky eine bestimmte Ansicht und würde dann eine Figur mit eben dieser Ansicht erfinden, die dann jeden Streit gewinnt Das kommt in seinen Romanen überhaupt nicht vor Er positioniert eine Figur und stellt ihr dann drei oder vier Gegenspieler gegenüber und diese Gegenspieler sind keine Strohmänner, sie sind viel mehr Eisengiganten Sie zerstampfen schlicht den Protagonisten Das Ganze stellt einen Krieg zwischen seinen verschiedenen Auffassungen vom Sein dar Es ist faszinierend das zu sehen; es zu lesen Also destilliert man diese Erzählungen; große Schriftsteller destillieren diese Erzählungen Große Geschichtenerzähler destillieren Erzählungen Und einige der Erzählungen, die wir haben, sind sehr sehr sehr sehr alt Meistens sind das religiöse Erzählungen in der einen oder anderen Form, aber es können auch Märchen sein Denn das Alter einiger Märchen wurde auf mehr als 10.000 Jahre datiert Sie sind also Teil einer mündlich überlieferten Tradition Und mündliche Überlieferungen können mehrere zehntausend Jahre alt sein Eine Geschichte, die über zehntausend Jahre weitergereicht wird ist eine seltsame Art Geschichte – Menschen haben sie sich eingeprägt Und offensichtlich auch verändert – es ist eine Art Stille Post: ich erzähle dir etwas und du flüsterst es der nächsten Person zu und so weiter, bloß dauerte diese Stille Post Tausende von Generationen an Und alles was übriggebliben ist, ist was die Menschen sich eingeprägt haben Und vielleicht haben sie sich das Wichtige eingeprägt, denn dazu tendiert man normalerweise Und das setzt nicht unbedingt voraus, dass man versteht, was es bedeutet – ihr versteht auch nicht, was Musik bedeutet Aber das hält euch nicht davon ab, sie zu hören Üblicherweise wisst ihr auch nicht, was ein Film oder ein Buch bedeutet, zumindest nicht wenn es tiefgründig ist Es bedeutet mehr, als ihr verstehen könnt Warum sollte man es andernfalls lesen? Die Überlegung ist also die folgende: Wir zwangsläufig in Moralsystemen eingebettet Die Moralsysteme basieren auf Narrativen Gewissermaßen narrative Schauspiele Und die Moralsysteme geben uns unsere Orientierung im Leben Und der Grund, warum man sie verstehen sollte, ist, dass man wissen muss, wie man leben soll Nietzsche sagte: “Wenn man ein Warum hat, erträgt man fast jedes Wie.” Und das ist gut Eines der Dinge, die die Auschwitz-Wächter mit den Gefangenen machten war, – und das sagt Vieles aus – in Auschwitz hing ein Schild mit der Aufschrift “Arbeit macht frei” Das war eine Art Späßchen Jedoch nicht besonders witzig Das ist die Art Späßchen, für das man satanisch – das ist der passende Ausdruck – sein muss, um es sich auszudenken Und um sich zu wagen, es zu bekunden Sodass wenn die Gefangenen in Auschwitz ankamen, in einer bereits ziemlich schlechten Verfassung: sie steckten in Viehwaggons, getrennt von ihren Familienangehörigen; ihnen ist alles weggenommen worden, sie sind eine lange Zeit im Stehen transportiert worden, die Kinder waren am Ersticken, weil es keinen Platz gab, sie hatten nichts zu essen und keinerlei Toilettenanlagen zur Verfügung, 20% der Menschen ist man beim Transport bereits losgeworden, diejenigen, die außen in den Waggons standen, sind erforen, weil es natürlich kalt war, ziemlich scheußlich Und wenn sie in Auschwitz ankamen, gab es dieses Spiel, das die Wächter mit ihnen treiben würden: – das war Teil dieser “Arbeit macht frei”-Sache – sie suchten sich einen der Gefangenen aus, der bereits in ziemlich schlechter Verfassung war, und zwangen ihn, einen nassen Sack Salz von einer Seite des Lagers zur anderen zu tragen Und wenn man an ein Lager denkt, stellt man sich ein Fußballfeld oder sowas vor, mit Zäunen drumherum, Keineswegs, das waren Städte. Es befanden sich Tausende von Menschen an diesen Orten Also von einer Seite zur anderen; das war eine ganz schöne Strecke

Aber das war noch nicht schlimm genug; sie mussten den Sack dann wieder zurückschleppen und an derselben Stelle wieder ablegen Nun Das ist poetisch in seiner Bosheit Man macht sich das menschliche Verlangen, sich produktiv zu betätigen zu Nutze, und macht seine absolute Vergeblichkeit sichtbar, trotz der damit verbundenen Mühen Scheint mir doch eine böse Tat zu sein Menschen brauchen.. was es ist, ist eine Parodie der Sinnlosigkeit Und Menschen brauchen einen Sinn im Leben, weil ihr Leben beschwerlich ist Und die Frage ist: welchem Zweck soll man sein Leben widmen? Und eine weitere Frage wäre: ist es von Substanz? “Substanz” ist ein interessantes Wort, denn zum Einen hat etwas einfach Substanz Aber zum Anderen hat es dann Substanz, wenn es von Substanz ist Und ich würde sagen, dass etwas, das von Substanz ist echter ist als die Substanz an sich Zumindest verhält man sich dementsprechend. Also ist die Frage: gibt es ein gutes Ziel fürs Leben? Eine gute Frage. Das ist die Frage nach dem Sinn des Lebens Und eigentlich sollte diese Frage an Universitäten behandelt werden Aber soweit ich sagen kann und vielleicht ist das bloß der Zyniker in mir, aber was ich oft beobachte ist, dass Studenten an Universitäten ankommen, sich verzweifelt am Wrack der Kultur festhaltend, und mit den Überbleibseln treibend und dann werden ihnen diese Überbleibsel weggenommen, von Professoren, die ihnen eintrichtern, dass alles dekonstruiert werden kann und nichts von wirklicher Bedeutung ist, sodass, wenn man endlich ausgebildet ist, man alleine im Ozean umhertreibt, ohne sich an etwas festhalten zu können: “Jetzt bist du soweit und kannst den Abschluss machen.” Ich erachte das nicht als nützlich Ganz im Gegenteil Lasst mich euch eine Geschichte erzählen Meine erste Behauptung, und darüber werden wir noch viel sprechen, ist dass euer Leben eine Geschichte darstellt; das System, durch das ihr die Welt seht ist eine Geschichte, und hier ist sie: Ihr seid irgendwo und ihr geht irgendwohin und das kann auch im übertragenen Sinn verstanden werden Es gibt also einen Unterschied zwischen eurer jetzigen Situation und eurem Ziel Oder mit anderen Worten: ihr tut etwas, während ihr da sitzt Und theoretisch stellt das Ziel eine Verbesserung dar Also mangelt es euch an etwas, was immer der Fall ist Woran es euch mangelt ändert sich zwar, aber ihr versucht immer, diesen Mangel wiedergutzumachen Und geht also davon aus, dass euer jetziger Zustand weniger wünschenswert ist, als das Ziel Manchmal kann man durch Denken dorthin gelangen Aber grundsätzlich geschieht es durch Handeln. Durch Handeln in der Welt Das stellt gewissermaßen die Lösung zum Leib-Seele-Problem dar Man hat eine konzeptuelle Struktur, die aber nicht abstrakt implementiert wird, sondern durch Handeln Und das ist die grundlegende Geschichte. Sie ist zwar nicht besonders interessant, stellt aber das Grundgerüst dar, durch das ihr die Welt seht Dieses Grundgerüst misst also Dingen bestimmte Werte zu Ansonsten wüsstet ihr nicht, worauf ihr euch konzentrieren sollt und könntet nicht handeln Es misst also Werte zu Dadurch seht ihr also die Welt und jetzt könnte man fragen, wie würde das optimalste Gerüst dafür aussehen? Und genau das werden wir versuchen zu klären Nun, ich habe euch von dem Krieg erzählt, der zwischen den Kommunisten und dem Westen geherrscht hat und wie sehr ich davon besessen gewesen bin und eines der Dinge die mich wirklich stark beschäftigt haben war, ob es sich dabei um etwas Willkürliches gehandelt hat Dass also die Kommunisten ein paar Axiome hatten und wir hatten ebenfalls ein paar Axiome und wenn man ein moralischer Relativist ist, könnte man sagen: Nun, wer weiß schon, welche Reihe von Axiomen besser ist, oder sogar: wer kann schon behaupten, überhaupt zwischen solchen Axiomenreihen unterscheiden zu können Das ist die Behauptung des moralischen Relativismus und naja, meinetwegen! Also dachte ich mir, vielleicht ist das alles bloße Willkür und der stärkere gewinnt Denn nur so können willkürliche Streits zwischen zwei Wettbewerbern beigelegt werden, bei denen es keinen Raum für Verhandlungen gibt

Und darüber habe ich sehr lange nachgedacht, ich wollte wissen, was dem marxistischen System und dem westlichen System zugrunde lag und der Schluss, zu dem ich gekommen bin, ist dass das westliche System sich tatsächlich über lange Zeit entwickelt hat, während das kommunistische System eine aufgezwungene rationale Konstruktion war, und somit waren das unterschiedliche Systeme und dann habe ich mich gefragt, woraus hat sich denn die westliche Kultur entwickelt und gab es irgendeinen Grund zu der Annahme, dass es sich dabei um etwas echtes gehandelt hat Und das hat mich dazu gebracht, die zugrundeliegenden Geschichten zu studieren Fundamentale Geschichten, auf denen, wie ich glaube, unsere Kultur basiert und die teilweise uralt sind Ich werde euch die Mesopotamische Geschichte erzählen, eine der ältesten Geschichten, die wir kennen und die Ägyptische Geschichte, die Quellen unserer Kultur, Und ich denke, dass diese Geschichten wiederrum auf noch viel älteren Traditionen basieren Und ich denke, dass sie sich auf etwas Echtes beziehen, etwas wirklich Echtes Nun, ich habe euch bereits gesagt, dass es unterschiedliche Wege gibt, wie man die Echtheit von etwas konzeptualisieren kann Und meine ursprüngliche Hypothese, Annahme, mein Axiom könnte man sagen ist, dass Schmerz das Echteste von allem ist und zwar weil es dem entspricht, wie Menschen sich verhalten Ihr könnt das in Frage stellen Es ist eindeutig möglich, alternative Konzepten zu entwickeln. Wissenschaftler haben das bereits getan, denn für sie sind Gegenstände das Echteste, das existiert Vielleicht brauchen wir mehrere Konzepte, um in der Welt zurechtzukommen Möglich wäre es Jetzt möchte ich euch erzählen, was meiner Meinung nach die fundamentalen Bestandteile von Geschichten sind Und einer der Gründe dafür ist, dass ich hoffe, dass dieses Wissen euch gegen Ideologien immun machen wird Denn ich glaube, dass Ideologien unvollständige Meta-Narrativen sind, die ihre Macht aus dem Meta-Narrativ ziehen, aber bloß einen Teil der Geschichte wiedergeben Aber dennoch Einfluss haben, weil sie sich auf das fundamentale Narrativ berufen Und hier ist also das fundamentale Narrativ, oder sagen wir die Hauptcharaktere Und wir bezeichnen das so, weil Menschen dazu tendieren, die Welt so zu charakterisieren, weil wir soziale Primaten sind Wir sind soziale, kognitive Primaten und wir tendieren dazu, die Welt durch die Brille eines sozialen Wesens zu sehen Zum Teil weil wir wissen wollen, wie wir uns auf der Welt verhalten sollen und unsere Welt größtenteils aus anderen Menschen besteht Also konzeptualisieren wir die grundlegende Struktur unseres Handelns in charakterologischen Begriffen Also die fundamentalste Realität ist das Chaos und Chaos ist all das, was man überhaupt nicht versteht Man kann es nicht einmal konzeptualisieren Man kommt immer nur mit Bruchteilen und Einzelstücken davon in Kontakt Als die Zwillingstürme fielen, regierte mehrere Tage lang das Chaos, alle waren unter Schock Und das war Chaos, Chaos ist das, was man erfährt, wenn die eigene Geschichte auseinanderbricht Das ist der Abstieg in die Unterwelt Das ist Chaos und im Grunde lebt man in Ordnung und Chaos und Ordnung ist, wenn man das macht, was man der eigenen Ansicht nach machen sollte und daraufhin das, was man sich erhofft hat, stattfindet Das ist Ordnung, das ist erforschtes Territorium Und Chaos ist, wenn man macht, was man machen sollte, um das zu bekommen, was man will und es nicht eintritt Und der Ort, an dem man sich dann auf magische Weise wiederfindet, das ist dann Chaos Und es variiert in seiner Tiefe, man könnte sagen, dass es bis in die Hölle reicht, das passiert dann, wenn das eigene Leben völlig auseinanderbricht und man sich in diesem Chaos wiederfindet und realisiert, dass es die eigene Schuld war Dass man etwas Falsches getan hat und dass man es gewusst hat und es ignoriert hat, das ist die schlimmste Form von Chaos Es gibt also das Chaos an sich und der nächste Teil ist ziemlich selbsterklärend, man kann es sich so denken: es gibt das Individuum, das Individuum existiert in einer Kultur und die Kultur ist umgeben von der Natur Ziemlich einfach: die Natur ist Mutter Natur aus Gründen, die wir noch besprechen werden und die Kultur ist “Vater Kultur”, ich denke, weil die fundamentalen menschlichen Dominanzhierarchien maskulin sind und die Natur mit dem Femininen assoziiert wird, weil nun, aus zwei Gründen, zum Einen sind es Frauen, die bei Menschen die sexuelle Auswahl treffen, sodass sie aus der darwinistischen Perspektive tatsächlich die Natur sind und zum Anderen weil die Natur eine schaffende biologische Kraft ist und deswegen haben wir in weiblichen und männlichen Kategorien gedacht und haben diese Konzeptualisierung benutzt,

um die ganze Welt zu ordnen Es ist eine Metapher, aber nicht nur eine Metapher, es macht Sinn, die Kultur als einen urteilenden Vater zu betrachten, wirklich viel Sinn, denn man hat eine Gruppe von Menschen um sich, einige von ihnen sind Freunde, andere beobachten euch bei der Arbeit, andere urteilen über euch und das erstreckt sich über sehr lange Zeit und wenn man all diese Menschen als Einheit zusammennimmt dann beurteilt diese Einheit ständig euren Ruf und es macht total Sinn, das so zu personifizieren, denn es ist wie eine Meta-Person, die euch beobachtet und damit ist es eine nützliche Metapher, da ist diese Meta-Person, die euch beobachtet, ja, offensichtlich ist das der Fall Jetzt könnte man natürlich erwidern: “Hey, das ist nicht echt.” Ist es auch nicht, zumindest nicht so, wie wissenschaftliche Wahrheiten, es ist eine andere Art von echt Nun, die Natur besteht aus zwei Elementen, zerstörerisch und erschaffend natürlich Da wäre zum Einen die Schönheit der Natur in ihrer großzügigen Form und zum Anderen Anopheles-Mücken und Elephantiasis und Krebs und Hungertod und all die schrecklichen Elemente der Natur und dann ist da die Kultur und sie ist tyrannisch, weil man sich unfreiwillig anpassen muss, schon alleine um mit anderen Menschen zurechtzukommen opfert man eine ganze Menge seiner Selbst und entwickelt sich auch, aber opfert eben Vieles in diesem Prozess, wir müssen uns sozusagen an einen Durchschnitt anpassen, um zusammenzuleben, und manche Gesellschaften sind tyrannischer als andere, aber es gibt immer ein tyrannisches Element, das sieht man auch Universitäten, ihr kennt das, an einem so großen Ort wie diesem seid ihr gewisserweise bloß eine Zahl und es ist egal, ob ihr hier seid oder nicht Der Institution ist es egal und das ist das tyrannische Element davon Andererseits ist es nicht egal, denn ihr seid hier und werdet ausgebildet und all das und vielleicht ist das positiv zu bewerten, aber es gibt eben diese beiden Aspekte, diese Figuren haben immer zwei Seiten Also die positive und die negative Seite der Natur und die negative und die positive Seite der Kultur und dann ist da das Individuum Es steht sozusagen auf einer Insel inmitten eines Ozeans, das ist eine gute visuelle Konzeptualisierung eurer Position Da ist fester Boden, aber er reicht nicht besonders weit und außerhalb ist all das, was ihr nicht versteht und ihr habt als Individuum ebenfalls ein positives und ein negatives Element in euch Das wären der Held und der Bösewicht Und welche gute Geschichte kommt schon ohne einen Helden und einen Bösewicht aus? Der Bösewicht ist derjenige, der sich nicht angemessen verhält und der Held verhält sich angemessen und immer wenn ihr ins Kino geht oder Bücher lest begegnet ihr Helden und Bösewichtern und gewissermaßen vervollständigt ihr damit euer Bild eines Bösewichts Wenn ihr über 30 verschiedene Bösewichter lest und euch denkt: “Da ist etwas bösartiges an den Bösewichtern.” Dieses Etwas ist das zentrale Element der Bosheit, was immer es auch sein mag Also konstruiert ihr einen Meta-Bösewicht und einen Meta-Helden und das sind im Großen und Ganzen die Hauptfiguren in religiösen Erzählungen Ihr kennt das, in den Marvel-Filmen gibt es Odin, der zwei Söhne hat, Thor und Loki und Thor ist sozusagen der weltrettende Held und Loki ist der Gauner, der alles ins Verderben stürzen will und das müsst ihr in euch selbst erkennen, oder zumindest wäre das nützlich, denn andernfalls unterschätzt ihr [Studentin]: “Ist das hier der Positive Psychologie-Kurs?” Nein, das ist “Maps of Meaning” Positive Psychologie… [Gelächter] Das ist es definitiv nicht. [Gelächter] Also warum sollte sich jemand wie ein Bösewicht verhalten? Nun zuerst einmal, weil man es kann das ist entscheidend Ihr könnt so sein, und das ist ein Nebenprodukt der Empathie, ich habe Jahrzehnte gebraucht, um das zu kapieren Ich habe es endlich verstanden, als ich die biblische Entstehungsgeschichte untersucht habe, denn in Genesis werden die Menschen zum ersten mal ihrer selbst bewusst und wissen sofort von Gut und Böse und ich kam einfach nicht dahinter, also was ist denn der Zusammenhang zwischen diesen beiden Dingen und dann.., und ich meine es ernst, ich habe ungefähr 30 Jahre lang drüber nachgedacht und versucht, dahinterzusteigen und dann habe ich realisiert was es damit auf sich hatte Wenn ihr euch eurer selbst bewusst seid, könnt ihr euch als ein lebendiges Wesen konzeptualisieren,

ihr wisst dass ihr seid und ihr wisst, wie ihr seid und ihr wisst, was euch weh tut und was nicht und sobald ihr wisst, was euch Schmerzen bereitet wisst ihr auch, was ihr Schmerzen bereitet Und das ist das Wissen von Gut und Böse, das mit der Selbstbewusstheit einhergeht Das ist etwas, das Menschen von allen anderen Tieren unterscheidet Ein Löwe etwa wird euch fressen, aber er hat nicht wirklich vor, euch nach und nach in Stücke zu reißen, einfach so aus Spaß Er frisst euch einfach, man könnte das auch als böse bezeichnen, es ist definitiv eine miese Sache, aber in diesem Sinn sind Tiere jenseits von Gut und Böse, aber was Menschen angeht, wir können unsere Bosheit zielgerichtet einsetzen und wir sind echt gut darin, denn wir können uns vorstellen: “Gott, würde das weh tun, und wenn es mir weh tut, wird es dir erst recht weh tun.” Und ihr müsst wissen, dass ihr so seid, denn so seid ihr und wenn ihr es nicht wisst, oder denkt, dass ihr nicht so seid, dann seid ihr noch mehr so, als ihr denkt, denn diejenigen Menschen, die am meisten so sind, sind die die denken, dass sie ganz anders sind Und damit müsst ihr euch auseinandersetzen Deswegen ist in so vielen Denksystemen die Welt konzeptualisiert als ein Kampf zwischen Gut und Böse Und das ist eine angebrachte Konzeptualisierung Es ist eine Meta-Konzeptualisierung und die Kultur ist der weise König und der Tyrann und das ist immer der Fall und davon kommt ihr nicht weg, denn als Individuen habt ihr eure negativen und positiven Seiten Das Negative ist die verbitterte Seite, die verärgert ist von den Limitierungen des Seins und dem daraus resultierenden Leiden und deren willkürlicher und unfairer Natur Und kein Wunder, diese Seite hat echt gute Argumente, es ist keineswegs trivial In dem Buch “Die Brüder Karamasow” wird dieses Argument auf wunderbare Art und Weise dargelegt, da ist diese Figur, Aljoscha, der in einem Klosternoviziat ist und nicht gerade der Hellste, aber ein durch und durch guter Mensch und er hat einen Bruder, Iwan, und Iwan ist ein brutales Genie und er macht Aljoscha fertig, unter anderem indem er eine Geschichte erzählt über – Dostojewski hat das einem Zeitungsbericht entnommen – im Bericht hieß es, dass ein Vater und eine Mutter ihre Junge Tochter über Nacht in einem Klohäußchen einsperrten, als es minus 30 Grad war, und sie blieb dort und weinte und schrie und erfor schließlich und Iwan sagte zu Aljoscha, weißt du, eine Welt, in der so etwas passieren kann, sollte nicht sein Es ist ein gutes Argument und man kann es millionenfach multiplizieren Also ist der Teil von uns, der sich gegen das Sein wendet und verbittert ist, da ist schon was Wahres dran, das Problem ist nur, soweit ich das beurteilen kann, dass wenn man sich dem hingibt, dann wird das, wogegen man sich wendet, schlimmer Nun, das könnte einen nur erfreuen, und man könnte denken, das würden Menschen nicht bewusst herbeisehnen, aber doch, das tun sie Ich kann ein Buch empfehlen, es heißt “Panzram”, wenn euch so etwas interessiert, es ist von einem Mann geschrieben, der 1200 Männer vergewaltigt und Dutzende getötet hat und alles niedergebrannt hat, was ihm in die Finger kam und versucht hat, einen Krieg zwischen England und der USA zu starten und der nichts im Sinn hatte, außer Chaos zu stiften Und er hat eine Autobiographie geschrieben, auf Wunsch von einem Arzt, der sich mit ihm angefreundet hatte und er erzählt, was genau er gemacht hat und warum Diese Geschichte, Held und Widersacher Ordnung und Tyrannei, Zerstörung und Erschaffung, das ist die grundlegende Landschaft und außerhalb davon herrscht Chaos Lasst uns eine Pause machen Hier ist eine andere Betrachtungsweise für diese Idee: Das Individuum steht für die Person, die aufpasst und die Welt erkundet und ihrer Herr wird, beziehungsweise die Person, die wegschaut und diese Person bewohnt erforschtes Territorium und hier ist das unerforschte Territorium und egal, wo man hingeht muss man mit diesen beiden Hälften seiner Persönlichkeit zurechtkommen und wo auch immer man von anderen Menschen umgeben ist, ist die Kultur in ihren tyrannischen und wohlwollenden Elementen und die Kultur ist gewissermaßen diese Übereinstimmung zwischen dem, was man tut und dem Ergebnis Es ist wirklich wichtig das zu verstehen. Und unerforschtes Territorium ist immer dort, wo das, was man macht nicht zum gewünschten Ergebnis führt

Deswegen ist es nicht so sehr ein geographisches Konzept, denn normalerweise denkt man bei erforschtem Territorium an etwas Geographisches, wie eine tierische Domäne, oder euer Haus Und das ist definitiv ein Teil davon, aber wisst ihr, wenn ihr euch in eurem Haus befindet und eine Schlange findet einen Weg in euer Wohnzimmer, während ihr euch darin befindet, nun da ist dann ein gewaltiger Unterschied zwischen eurem Haus vor einer Sekunde und eurem Haus jetzt Und deswegen kann sich euer Haus im Nu in unerforschtes Territorium verwandeln, weil wir nunmal in Raum und Zeit leben Deswegen ist das unerforschte Territorium konzeptuell zu verstehen, es ist ein konzeptuelles Territorium und es bezieht sich immer darauf, wo euer Handeln nicht zum gewünschten Erfolg führt und deshalb sind das permanente Teile der menschlichen Erlebens, deshalb denke ich auch, dass sie die fundamentalen Figuren in unserem Narrativ sind Es gibt immer euch, in jeder Geschichte gibt es ein Subjekt und dieses Subjekt ist eine ambivalente Person mit vielen verschiedenen Potenzialen und man befindet sich immer irgendwo, mit anderen Menschen, weil das unser Territorium darstellt, weil wir unvorstellbar sozial sind in unserem Wesen Und selbst die Primaten, die unsere Vorfahren waren, das meiste ihres Territoriums waren andere Primaten und ihre, sowie auch unsere Gehirne sind darauf ausgerichtet, die Welt als eine Ansammlung von Persönlichkeiten wahrzunehmen Das ist sehr wichtig für uns und deshalb tendieren wir dazu, so die Welt zu sehen Und was das unerforschte Territorium anbetrifft, nun Das ist immer dort, wo man nicht weiß, was zu tun ist Aber seltsamerweise weiß man, was zu tun ist, wenn man nicht weiß, was zu tun ist Es ist nicht gerade spezifisch, es handelt sich um eine allgemeine Stressreaktion, die man so beschreiben kann: Grob gesagt erstarrt man, wenn die Gefahr groß genug ist, dann erzeugt man eine große Menge Cortisol und Adrenalin, damit man auf jeden Fall vorbereitet ist und sich schnell in jede Richtung bewegen kann und vielleicht passt man besser auf seine Umgebung auf Das ist es, was man macht, wenn man nicht weiß, was man machen soll aber das Problem ist, dass man auf ewig in diesem Zustand gefangen sein könnte, das ist eine Art posttraumatisches Stresssyndrom, dann ist man ständig in dieser Verfassung Und das ist sehr unangenehm, ich meine damit, dass wenn man lange in diesem Zustand ist, dann wird man depressiv, man entwickelt eine Angststörung, man wird alt Denn man verbraucht seine Ressourcen wie verrückt, das eigene System verlagert sich so, dass man diesen Zustand von Notfallbereitschaft aufrechterhalten kann und das ist sehr erschöpfend, das wollt ihr nicht durchmachen müssen Und das ist einer der Gründe dafür, dass Menschen so erpicht darauf sind, ihr Territorium zu verteidigen, ihr vertrautes Territorium, denn wenn das vertraute Territorium überfallen oder durcheinandergebracht wird, dann ist diese Notfallbereitschaft der Normalzustand und das ist das kann einen auseinanderbrechen, wenn es ernst genug ist Und das wisst ihr bereits, ich würde sagen, dass Menschen vor allem wenn sie von jemandem verraten werden, mit dem sie eine intime Beziehung führen, in diese Situation kommen, wenn sie belogen werden Es gibt auch andere Beispiele: wenn etwa der eigene Traum zerplatzt, oder die Vision, die man verfolgt hat, ein Krankheits- oder Todesfall in der Familie; es gibt viele Möglichkeiten, aber Verrat ist ein sehr gutes Beispiel Denn wenn man lange Zeit mit jemandem zusammen ist, dann vertraut man dieser Person, ihr habt eine Vorstellung von eurer Vergangenheit, eine Vorstellung von euch in der Beziehung, eine Vorstellung von eurem Partner, eine Vorstellung von Beziehungen an sich, eine Vorstellung von der Zukunft; ihr werdet verraten, es ist als würde eine Blase platzen, nicht einmal die Vergangenheit ist noch das, was ihr euch gedacht habt Und wie ist es mit eurem Selbstbild, wie ahnungslos seid ihr? Vielleicht gar nicht, aber vielleicht auch vollkommen leichtgläubig, wer weiß, war es eure Schuld? Seid ihr so ahnungslos, dass ihr nicht mal für euch selbst einstehen könnt, oder war euer Partner auf irgendeine subtile Art böswillig und ihr habt es nicht bemerkt? Plötzlich ist alles offen Das ist nicht gut Und diese Idee, dass Menschen in die Unterwelt hinabsteigen und dann zurückkommen ist eine wirklich nützliche Idee, denn das tun wir ständig Immer dann, wenn wir scheitern heißt es: Ab in die Unterwelt für ein Weilchen, wo alles chaotisch ist Und dann schaffen wir es vielleicht, uns zusammenzureißen und “Zack!”, sind wir wieder oben und deswegen sollte man sich selbst konzeptualisieren nicht als Ordnung oder als Chaos, sondern als das Ding, das sich zwischen diesen beiden Domänen hin- und herbewegt Und das ist meiner Meinung nach der mythologische Held Ok, jetzt werde ich mit euch ein wenig über Pinocchio sprechen, auch wenn das seltsam erscheinen mag, ich hoffe, dass es euch gefällt Und der Grund dafür, dass ich das machen möchte ist, dass ich Einiges von dem, was ich euch in abstrakter Form erzählt habe, greifbar machen möchte

Und dann könnt ihr darüber nachdenken, ob diese Konzepte für irgendetwas gut sind, ob sie hilfreich sind Also: Ordnung, Abstieg ins Chaos, Wiederherstellung von Ordnung Das verlorene Paradies, die profane Geschichte, das wiedergewonnene Paradies, es ist die klassische Komödie und das ist die Lebensgeschichte Und die Frage ist, wie bewältigt man das Ganze? Das ist eine Frage, auf die man wirklich gerne die Antwort hätte, deswegen geht ihr auch alle und bezahlt Geld, seltsamerweise, ihr stellt euch an und bezahlt Geld, um eine Geschichte darüber zu sehen, selbst wenn ihr nicht wisst, dass die Geschichte davon handelt Ein Teil von euch weiß es, denn eure Kognition ist vielschichtig, ihr versteht Dinge, von denen ihr nicht wisst, dass ihr sie versteht, auf Wegen, die ihr nicht versteht, und das könnt ihr selbst erkennen, denn wir haben bereits ein wenig über Pinocchio gesprochen, wie absurd es ist, und dass das aber egal ist, nun [Studentin] Ich habe eine Frage, wir haben darüber gesprochen, dass man dann von Chaos sprechen kann, wenn Menschen Dinge tun und daraus unvorhergesehene Konsequenzen hervorgehen, wenn einem etwas Schlechtes widerfährt Was ist aber, wenn die Konsequenz extrem positiv ist, zum Beispiel wenn man im Lotto gewinnt? Führt das auch zu einer Stressreaktion? [JBP] Nein, es ist nicht ganz dasselbe, das ist eine gute Frage und das werden wir noch auf jeden Fall behandeln, also ein Gewinn im Lotto ist normalerweise nicht besonders gut für Menschen, denn es ist einfach zu viel, es überwältigt sie und stellt ihr Leben auf den Kopf, und normalerweise schaffen sie es im besten Fall, zu ihrer ursprünglichen emotionalen Basis zurückzukehren, aber ja, etwas bemerkenswert Gutes, es ist offensichtlich besser als etwas bemerkenswert Schlechtes, aber es kann dennoch einen destabilisierenden Effekt haben Es kommt darauf an, welche Elemente des eigenen Lebens davon durcheinandergebracht werden Man hat gewissermaßen eine Karte, mit deren Hilfe man sich in der Welt orientiert und diese Karte beruht auf unterschiedlichen Annahmen, von denen manche oberflächlich und manche abgrundtief sind und wenn die abgrundtiefen Annahmen zerstört werden, dann werden große Teile der Karte unbrauchbar Und das kann passieren, manchmal auch nachdem etwas drastisch Positives geschehen ist Aber der Grundsatz ist: je mehr von deinen axiomatischen Annahmen durcheinandergebracht werden, desto mehr setzt das einem zu Vielleicht kündigt man seinen Job, weil man im Lotto gewonnen hat: “Hey, man sieht sich am Strand, ich werde Margaritas trinken.” Das funktioniert vielleicht vier Tage lang, aber macht das mal für drei Monate und ihr seid ein Strandalkoholiker, nicht gerade eine Verbesserung Wisst ihr, so einfach ist es nicht, oft ist es so, dass wenn man Menschen aus ihren Routinen reißt, dann stammeln sie einfach umher Ihr Tagesrhythmus geht flöten, sie ernähren sich nicht richtig, sie wissen nicht, was zur Hölle sie tun sollen Deswegen haben Menschen auch oft so große Schwierigkeiten, wenn sie in Rente gehen: “Ich gehe in Rente und werd’ mich entspannen.” Also wenn ich 2 Wochen lang entspannen würde, würde ich sterben Ich brauche etwas zu tun, ich muss mich mit etwas beschäftigen Ok, also: Pinocchio, früher Disneyfilm, ein Meisterwerk Ich werde ihn mit euch Schritt für Schritt durchgehen und euch erzählen, was er meiner Meinung nach bedeutet und ihr könnt mir dann sagen, ob ihr das nützlich findet Heute werden wir nur ungefähr 10 Minuten schaffen, weil wir noch die organisatorischen Einzelheiten des Kurses besprechen müssen, aber nächstes Mal werden wir damit weitermachen Also, der Film beginnt mit einem Vorspann, also diese holzgeschnitzten Schilder, was eine Andeutung ist, denn Gepetto ist ein Schnitzer und es beginnt mit diesem Lied, damals ein ziemlich beliebtes Lied, es ist eine Art – wie soll man sagen – ich denke nicht, dass es sonderlich tiefgründig ist, aber es war ein Lied, das die Menschen mochten und es wird auch heute noch gehört Und es gibt den Ton des Filmes vor, was Musik nunmal macht, ein interessantes Detail ist, was Filme anbetrifft ist, und es ist wirklich rätselhaft, ist dass, nun, wenn man einen Film anschaut, dann ist da fast immer eine begleitende Filmmusik, und wenn die Filmmusik mal fehlen sollte, dann fühlt der Film sich gewissermaßen leer an, als ob da etwas fehlen würde Es ist, als würde die Musik, nun, viele Bestandteile eines Films sieht man nur ausschnittsweise, die Figuren zum Beispiel, denn man weiß nichts über ihre Vergangenheit, er spielt sozusagen in einer niedrigen Auflösung und die Musik stellt gewissermaßen den emotionalen Rahmen zur Verfügung, den Gesamtkontext, sie ist sagen wir mal der Ersatz für den Kontext

und sie steuert wie ihr den Film wahrnehmt, sie gibt euch Hinweise darauf, was noch kommen mag Und seltsamerweise haben wir keinerlei Probleme damit: “Ja, natürlich gibt es Filmmusik in einem Film.” und selbstverständlich wird die Musik dramatisch, wenn die Szene dramatisch ist, aber im echten Leben passiert so etwas nicht, also könnte man sich schon fragen, warum uns das in einem Film nicht stört Ich glaube, es liegt zum Teil daran, dass wir bereit sind, diese Verstärkung der Realität zu akzeptieren, die einen Film ausmacht Eigentlich finden wir das sogar ansprechend und Musik trägt unter anderem zu dieser Verstärkung bei, zur Dramatisierung, die wir akzeptieren können Ich finde dieses Lied ziemlich interessant, deswegen werde ich es recht intensiv auseinanderpflücken In gewisser Weise fühle ich mich ein wenig albern dabei, denn es ist nunmal ein kindliches, gewissermaßen handelt es sich um ein kindliches Lied, aber das ist in Ordnnung, also: “Wenn ein Stern in finst´rer Nacht strahlend dir entgegenlacht, schau zum Himmel und du hast drei Wünsche frei” Ok, also da stecken bereits einige Rätsel drin Menschen wünschen sich etwas beim Anblick eines Sternes, das ist eine Art kleines Ritual, stimmt’s? Warum tun sie das? Und was genau ist ein Stern, das ist eine weitere Frage, denn es gibt die Sterne, die am Himmel leuchten und dann gibt es Menschen, die man Sterne [Stars] nennt Also warum nennt man sie so? Normalerweise sind das berühmte Menschen, Menschen, die viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen und vielleicht haben sie eine Menge Talent, das wäre ebenfalls eine Möglichkeit Vielleicht sind sie Models, und ich meine nicht in der Modewelt, obwohl das auch manchmal der Fall ist, sie sind Vorbilder [models] zur Nachahmung Das ist es, was es bedeutet, ein Star zu sein, deswegen ist das People-Magazin voller Stars Es ist als wären sie auf die Erde gekommene Helden und natürlich weiß man nicht über sie außer ihres öffentlichen Bildes und natürlich sind sie normalerweise sehr attraktiv und das erlaubt uns, all die menschlichen Ideale auf sie zu projezieren und deswegen sind sie Stars Aber trotzdem, warum Sterne? Nun, Sterne locken uns im Dunkeln, stimmt’s? Sie sind nicht von dieser Welt, das ist so cool an ihnen, sie sind nicht von dieser Erde und ich meine das wortwörtlich, denn offensichtlich sind sie nicht von dieser Erde, aber ich meine es auch im phänomenologischen Sinne, als Element des menschlichen Erfahrens Die meisten von euch kommen aus der Stadt, falls ihr also nicht diese Erfahrung gemacht habt, einen ungetrübten Nachthimmel zu sehen, dann ist das sehr schade, denn ein ungetrübter Nachthimmel ist eine dieser Erfahrungen, die echte Ehrfurcht hervorruft Selbstverständlich, und kein Wunder Man schaut nach oben und da sind überall Sterne, man sieht die Grenze der Galaxie, das ist die Milchstraße, der Rand der Galaxie, man denkt sich: “Wow!” “Da ist der Rand der Galaxie!” Und es sind so viele und die Fläche ist riesengroß, man blickt in die Unendlichkeit, man blickt ins Unbekannte, man blickt über sich hinaus, so viel steht fest Und das erzeugt ein Gefühl von Ehrfrucht in Menschen, wie wenn man den Grand Canyon oder etwas Ähnliches sieht Man sieht also etwas, das über einen selbst hinausgeht und diese Ehrfurcht scheint eine natürliche Reaktion von uns zu sein Und man könnte ebenfalls Ehrfurch verspüren, wenn man jemandem begegnet, den man für besonders bewundernswert hält, denn man hat das Gefühl, dass da etwas Überweltliches an dieser Person ist Hier ist etwas Interessantes zum Nachdenken: Es gibt Menschen, die man bewundert und Menschen, die man nicht bewundert und das ist ein Hinweis, ein Hinweis darauf, wie das eigene Wertesystem aufgebaut ist Es ist möglich, dass man es nicht genau festmachen kann, dass man eine Person bezaubernd findet, eine andere Person bewundernswert, und es ist, als würde etwas im Inneren von euch nach diesem Bewundernswerten Ausschau halten Vorausgesetzt, dass ihr das tut Und diese bewundernswerte Person hat eine Fähigkeit, die ihr selbst gerne hättet, deswegen ist sie Vorbilder zum Nachahmen Das ist Teil dessen, wie Menschen sich entwickeln, kleine Kinder schwärmen oft von älteren Kindern, die sie als Helden sehen, sie sind nicht viel älter, sondern sozusagen gerade so in ihrer Reichweite und dann folgen sie ihnen herum und imitieren sie Also imitieren sie das, was sie bewundernswert finden Und die Tatsache, dass man etwas bewundernswert findet ist ein Hinweis darauf, wie das eigene unbewusste Wertesystem strukturiert ist Man kann das als Übung betrachten, man denke: “Welche Eigenschaften finde ich an anderen Menschen bewundernswert?” Gewissermaßen müsst ihr euch das fragen, man kann nicht einfach drüber nachdenken, es gibt einen Unterschied dazwischen, sich selbst eine Frage zu stellen und bloß darüber nachzudenken

Denn wenn man sich selbst eine Frage stellt, ist das ein besinnlicher Prozess “Nun, was finde ich bewundernswert?” Es ist eine Frage, ihr wisst es nicht, und wenn ihr Glück habt, und das passiert ziemlich regelmäßig, taucht eine Antwort auf von wo auch immer Antworten auftauchen “Oh ja, das wäre ein Beispiel.” Und dann könnt ihr das aufschreiben Und dann habt ihr eine gewisse Vorstellung von eurem Ideal, das ihr höchstwahrscheinlich habt Und von eurem Anti-Ideal Stern Sich etwas beim Anblick eines Sternes zu wünschen bedeutet, seine Augen über den Horizont zu erheben und sich auf etwas transzendentes zu konzentrieren, das jenseits eurer Reichweite ist Sich auf das Absolute zu fokussieren, könnte man sagen, auf das Licht, das in der Dunkelheit scheint Nun, ein Stern ist etwas Menschen tragen Diamanten, weil sie den Sternen ähneln, oder der Sonne Sie sind rein und perfekt und sie funkeln, also hat es auch etwas mit dem Licht zu tun, hat etwas mit einer Lichtquelle zu tun, es ist eine Quelle der Be- und Erleuchtung, und das Licht, das in der Dunkelheit scheint ist eine tiefgründige Metapher, es ist das, was man haben will, man will ein Licht in der Dunkelheit haben Und all das hat der Stern zu bieten und deswegen wünschen sich Menschen bei seinem Anblick etwas, weil sie eine gewisse Intuition haben, dass ein Ziel, das über das Alltägliche hinausgeht, das Potenzial besitzt, sie zu verändern, also machen sie einen Wunsch Nun, wenn ihr euch etwas wünscht, dann solltet ihr euch ein hohes Ziel setzen Denn allein der Versuch, ein hohes Ziel zu erreichen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Wunsch wahr wird, und das ist keine Metapher, ich habe dieses Programm, das ihr machen werdet, es heißt “The Future Authoring Program”, das ist eine von zwei Aufgaben, die eine ist, eine Autobiographie zu schreiben, das ist “The Past Authoring”, die andere ist, einen Plan für die Zukunft zu schreiben, das ist “The Future Authoring”. Ich würde euch empfehlen, sofort damit anzufangen, also nicht jetzt sofort, aber wirklich bald, denn es ist schwieriger als ihr denkt und manche von euch werden um die 15.000 Wörter schreiben Es wird euch geradezu verschlingen, das passiert ständig, es wird euch verschlingen Und ihr werdet diese Autobiographie schreiben, weil ihr wissen müsst, wo ihr seid, und wer ihr seid, jetzt gerade, denn wie zur Hölle könnt ihr einen Weg in die Zukunft planen, ohne zu wissen, wo ihr seid? Und dann werdet ihr über die Zukunft schreiben, denn man kann kein Ziel erreichen, ohne sich eines zu setzen Soviel steht fest Und oftmals setzen sich Menschen kein Ziel, obwohl sie sich etwas wünschen, weil sie Angst haben Sie haben Angst, denn sobald man sich ein Ziel gesetzt hat, hat man auch festgesetzt, wie man scheitern kann Man weiß, wann man gescheitert ist Es ist einfacher, im Nebel zu bleiben, nach dem Motto: “Nun, ich weiß nicht, ob ich erfolgreich bin, oder scheitere, ich kann es einfach nicht genau sagen.” Na toll! Bis auf die Tatsache, dass man nichts erreichen kann, das man sich nicht zum Ziel gesetzt hat Und deswegen ist das “Future Authoring Program” ein Versuch, den eigenen Charakter zu artikulieren, genau wie das “Past Authoring Program” Wer seid ihr? Und das “Past Authoring Program” bittet euch, euch Leben in Epochen aufzuteilen und dann über die emotionalen Dinge, die ihr für wirklich wichtig erachtet, zu schreiben Wichtige Ereignisse, die euch zu dem gemacht haben, wer ihr seid Und es kann sein, dass ihr feststellt, dass ihr emotional werdet, während ihr darüber schreibt und ich würde sagen, dass wenn ihr eine Erinnerung habt, die älter als ungefähr 18 Monate alt ist und sie jedes Mal, wenn ihr über sie nachdenkt eine emotionale Reaktion hervorbringt, insbesondere negative Emotionen, dann ist es so, als wäre ein Teil eurer Seele dort gefangen Ich weiß, dass es eine metaphorische Denkweise ist, aber was ich meine ist: Der Grund dafür, dass ihr nachwievor diese Emotion verspürt ist, weil ihr das Problem, das mit dieser Situation verbunden ist, noch nicht gelöst habt und es könnte sich um ein ernstes Problem handeln, vielleicht seid ihr an jemanden geraten, der ein wirklich schlechter Mensch war und das ist hart, denn dann müsst ihr eine Theorie über Böswilligkeit aufstellen, um damit fertig zu werden, und das ist kein Kinderspiel Aber, wenn das immer noch Emotionen hervorruft heißt es, dass ihr das Problem noch nicht gelöst habt und euer Gehirn es immer noch als Gefahr ansieht, es ist Teil eures Territoriums, den ihr noch nicht gemeistert habt “Gefahr, Gefahr, Gefahr, Gefahr!” Und solange ihr es nicht auseinandergenommen habt, wobei Artikaltion wirklich hilfreich ist und Schreiben ebenfalls, solange seid ihr nicht frei von dessen Griff Und sich damit auseinanderzusetzen kann unangenehm sein, das ist eine von den Situationen, wo der Prozess dazu tendiert, die Laune der Menschen kurzfristig zu verschlechtern, aber nach 3 bis 6 Monaten zu drastischen Verbesserungen führt Und oft ist es leider so, dass man etwas tun muss, was mann nicht tun will, um weiterzukommen Das ist sehr häufig der Fall Und das “Future Authoring Program” fragt euch nach verschiedenen Dimensionen eures Lebens, denn ihr könnt über euch selbst als eine Persönlichkeit in eurem Kopf denken, aber ihr seid eingebettet in Systemen, die über euch hinausgehen und die sind genauso echt, wie das, was sich in eurem Kopf abspielt Also, was braucht ihr im Leben? Nun, das ist eigentlich relativ einfach zu beantworten, ein paar Freunde,

das wäre gut, eine intime Beziehung, das wäre auch gut, eine Familie, entweder eine eigene oder die, aus der ihr kommt, wo Menschen sich umeinander sorgen und einander lieben, es wäre gut, daran zu arbeiten Ihr braucht einen Karriereplan; ihr müsst einen Platz in der Gesellschaft finden, damit Menschen euch wertschätzen und mit euch handeln und ihr leben könnt Ihr braucht eine erstrebenswerte Freizeitbeschäftigung Und ihr müsst auf eure mentale und körperliche Gesundheit achten und eure Einnahme von Substanzen regulieren Der letzte Punkt ist seltsam, aber Alkohol ruiniert eine Menge von Menschen, also lohnt es sich darüber nachzudenken und deswegen ist es mit drin Also dann, was ist es das ihr wollt? Was wollt ihr von euren Freunden? Von eurer Familie? Von eurer Kariere? Wenn ihr haben könntet, was immer ihr wollt, und danach fragt euch das Programm In drei bis fünf Jahren könnt ihr haben, was immer ihr haben wollt Ich gehe davon aus, dass ihr das Ganze wie vernünftige Erwachsene angeht und nicht wie 13-jährige Träumer: “Ich will die teuerste Yacht der Welt.” Ok meinetwegen, aber das ist nicht wirklich gemeint, es soll sich mehr auf euren Charakter beziehen Und dann werdet ihr gebeten, 15 Minuten lang zu schreiben, ohne allzuviel auf Grammatik zu achten, oder Satzstruktur oder so etwas darüber, wie euer in drei bis fünf Jahren Leben aussehen könnte, falls ihr euch wie jemanden behandelt, der euch wichtig ist und ihr dieser Person helfen wollt, herauszufinden, was sie will Und dann werdet ihr gebeten das Gegenteil zu machen, also darüber nachzudenken, was eure größten Schwächen sind und eure Mängel und ich denke, dass das jeder weiß, vielleicht auch nicht, aber jeder hat zumindest eine Ahnung davon, auf welche Weise er oder sie verkommen würde, wenn sie sich gehen lassen Manche würden zu einem Alkoholiker werden, manche wären Obdachlos, es ist als ob es da draußen ein Verderben gibt und euer Name steht drauf, falls ihr unachtsam seid und Dinge schleifen lasst, also sollt ihr darüber schreiben, was in drei bis fünf Jahren nicht passieren soll Und es gibt psychologische Gründe dafür, denn wenn man auf etwas hinzielt ist das eine Quelle für positive Emotion, denn zum größten Teil werden positive Emotionen dadurch freigesetzt, dass ihr ein für euch wertvolles Ziel erfolgreich verfolgt, nicht so sehr durch das Erreichen des Ziels Denn wenn man etwas erreicht hat, dann steht man schlicht vor dem Problem, was man als nächstes tun soll, zum Beispiel wenn ihr euren Universitätsabschluss macht, dann heißt es erstmal “Hurra!”, am ersten Tag seid ihr am obersten Punkte eurer bisherigen Universitätskarriere, am nächsten Tag seid ihr arbeitslos und bewerbt euch auf einen miesen Job bei Starbucks Also, wisst ihr, naja ihr versteht, was ich meine, das Ding ist, dass die Lösung eines Problems schlicht zum nächsten Problem führt, deswegen ist die Idee, dass ihr irgendwann alle Probleme gelöst habt und dann glücklich sein könnt, hahaha, viel Glück mit dieser Theorie Aber, aber, wenn man ein erstrebenswertes Ziel vor Augen hat und man glaubt ganz fest daran, dass es erstrebenswert ist, das heißt, man hat es durchdacht, sodass man nicht schwach ist, weil man seine Argumente alle beisammen hat, wenn man dann Fortschritte macht, auch nur ganz kleine, dann denkt man: “Hey, nicht schlecht.” und dann kriegt man einen kleinen Kick, einen kleinen Dopamin-Kick Und genau das wollt ihr, denn das ist die Quelle für positive Emotionen Oder ihr benutzt Kokain, wenn ihr wollt, aber das tendiert dazu, relativ schädliche mittel- und langfristige Konsequenzen mit sich zu bringen Aber es aktiviert dasselbe System, also solltet ihr euch ein Ziel setzen, und zwar ein realistisches Ziel, das ihr erreichen wollt und erreich könntet aber nicht mühelos, denn wenn es mühelos ist, dann habt ihr es gewissermaßen bereits Es muss euch fordern, daher rührt nämlich ein Teil des Vergnügens, denn es gibt zwei Dinge, die ihr wollt, wenn ihr etwas Wichtiges verfolgt: zum Einen dieses wichtige Ziel zu erreichen, aber zum Anderen besser darin zu werden, Ziele zu verfolgen Genau, also könnt ihr beides gleichzeitig haben, ihr verfolgt ein Ziel und erhöht gleichzeitig eure Kompetenz Also das ist wirklich eine gute Sache, eine gute Sache und da steckt intrinsisch eine Menge Sinn drin und das könnt ihr fühlen, und in der zweiten Hälfte des Programms stellt ihr einen Plan zusammen Dafür, wie ihr das angehen werdet und wie ihr sichergeht, dass ihr nicht vom Weg abkommt und ihr werdet schreiben, warum es gut für euch wäre, wenn ihr das durchzieht, warum es gut für eure Familie wäre und eventuell auch welche Vorteile das für eure Gemeinde hätte Denn ihr wollt das hieb- und stichfest auf den Punkt bringen und dann überlegt ihr, welche Hindernisse auf euch zukommen werden und wie ihr sie überwinden könnt und wie ihr auf eurem Weg bleibt und all das Wir wissen, weil wir tatsächlich ziemlich viele Untersuchungen durchgeführt haben, was dieses Programm angeht, dass wenn Studenten das machen, und es trifft in besonderer Weise auf diejenigen zu, die vorab nicht sonderlich zielgerichtet waren, dass wenn sie dieses Programm machen, die Wahrscheinlichkeit, dass sie abbrechen um 25% sinkt, was eine Menge ist

und ihr Notendurchschnitt sich um 20% verbessert Also, das ist Grund zum Feiern, denn wenn man so ein Programm entwickelt, weiß man nie, ob es funktioniert Es gibt auch Anzeichen, jedoch nicht aus meinem Labor, dass wenn man solche Dinge macht, es die eigene Gesundheit verbessert und ich glaube, dass der Grund dafür darin liegt, dass wenn man seine eigene Autobiographie durchgeht, und all die negativen Aspekte verarbeitet, die man bisher immer mit sich rumgeschleppt hat, es die insgesamte Stressmenge reduziert, weil euer Gehirn sozusagen berechnet, wie gefährlich die Welt ist, indem es zurückgreift auf das Verhältnis von Erfolg zu Niederlage in eurer Vergangenheit, so etwas in der Art Und wenn es nachwievor Lücken in eurer Karte gibt, durch die ihr durchfallen könntet, dann tendiert euer Gehirn dazu, das Territorium als eher gefährlich einzustufen und dann seid ihr öfter in einem Notfallzustand, was anstrengend ist Also solltet ihr zurückgehen und diese Erfahrungen so gut es geht ins Reine bringen Nun, das wird von euren Kommilitonen benotet, das ist kompliziert, aber wir werden es so machen: schreibt das Ding für euch selbst und nehmt dann alles raus, was ihr nicht mit anderen teilen wollt Es gibt ein paar Gründe, warum ich das auf diese Weise mache, unter anderem weil es schlicht nicht anders geht, denn wenn ich das mit euch machen will, dann ist der Benotungsaufwand einfach zu groß Ich dachte mir, es lohnt sich trotzdem das zu machen, weil das ein Kurs ist, in dem es über Erzählungen und Ich-Erzählungen geht; es wäre das Richtige und außerdem machen die meisten von euch bald den Abschluss und ich denke, dass es nützlich ist, ich denke, dass ihr das sehr nützlich finden werdet, das haben bisherige Studenten gesagt Also, drei Leute lesen sich jeden eurer Texte durch und benoten sie und ihr kriegt dann den Durchschnitt der besten zwei Ergebnisse als Note Außerdem sollen sie euch konstruktive Kritik geben Konstruktive Kritik ist zum Großteil was ihr richtig gemacht habt und vielleicht ein paar Hinweise, was ihr noch ausbauen könntet und all das So viel dazu und dann müsst ihr noch einen Essay schreiben, steht alles im Einzelnen auf der Website Hier ist die Website, ihr geht auf jordanbpeterson.com und links seht ihr “Kurse”, wenn ihr auf “Kurse” klickt, seht ihr mehrere Tabs und auf einem der Tabs steht “Psych 434” und das ist offensichtlich dieser Kurs Da ist auch noch weiterführende Literatur und eine Liste mit dem Kursablauf Die Daten stimmen alle nicht, ich bin noch nicht dazu gekommen, sie zu aktualisieren, aber der Rest stimmt im Großen und Ganzen Das Programm ist ein Online-Programm und es leitet euch durch den Prozess, aber ich würde euch wirklich raten, dass ihr noch diese Woche damit anfangt, denn es funktioniert besser, wenn ihr es über einen Zeitraum aufteilt, sozusagen in Schreibstößen und es hilft, zwischen den Abschnitten zu schlafen, weil euer Gehirn neue Informationen im Schlaf verknüpft Außerdem würde ich empfehlen, es grüblerisch anzugehen, stellt euch selbst die Fragen Stellt sie euch selbst, es ist eine andere Weise, es ist echt witzig, wenn man sich selbst Fragen stellt, denn ein Teil von euch wird antworten und ihr wisst nicht, was die Antwort sein wird, aber es wird fast immer eine Antwort kommen Zum Beispiel denkt ihr zurück an die Zeit als ihr sechs wart und fragt euch, was damals Wichtiges passiert ist und durch irgendeinen mysteriösen Prozess wird euch vielleicht eine Erinnerung einfallen So, dann gibt es einen Test und diese beiden Aufgaben und den Essay Das Thema für den Essay könnt ihr euch frei aussuchen, es muss nur etwas mit dem Kurs zu tun haben Ihr müsst selbst dafür argumentieren, dass es mit dem Kurs zu tun hat Also ist es eine Gelegenheit, über etwas zu schreiben, was euch interessiert Dann gibt es eine Abschlussprüfung und was sie angeht, wenn ihr das Buch lest und regelmäßig zum Unterricht erscheint, werdet ihr keine Probleme mit der Abschlussprüfung haben, weil sie nicht verzwickt ist, es ist bloß ein Überblick dessen, was wir behandelt haben Ursprünglich gab es keine Prüfung, aber ich habe eine aufgesetzt, weil naja, weil man Zuckerbrot und Peitsche braucht, ich weiß, dass ihr viel zu tun habt und selektieren werdet und die entscheidenden Dinge machen werdet und vielleicht nicht die anderen und kein Wunder, also musst ich dafür sorgen, dass das hier auch entscheidend ist, weil ihr sonst nichts gelesen hättet, auch weil der Stoff kompliziert ist Aber ich hoffe, dass euch die Vorlesungen helfen werden, durchzusteigen und das war’s so ziemlich Ich werde euch also einige Geschichten erzählen und versuchen zu erklären, was sie bedeuten und was ich mir davon erhoffe ist, dass die Welt der Erzählungen sich euch öffnen wird und ich für meinen Teil fand das unglaublich nützlich, es ist unglaublich nützlich diese Dinge zu verstehen

Es positioniert euch besser und es hilft euch Wisst ihr, oft sagen mir die Leute über diesen Kurs, so etwas wie dass sie bereits wussten, was ich ihnen erzähle, aber sie wussten nicht, dass sie es wussten sodass es Sinn macht, es macht “Klick” Und meiner Meinung bedeutet das, dass ihr diese Information bereits in euch tragt, repräsentiert durch eure Handlungen, durch eure Verfahrensweisen, durch eure Angewohnheiten und in den Strukturen eurer Wahrnehmung, es ist impliziert, in euch impliziert Und ich kann es zum Teil in Worte fassen und es passt, es macht “Klick”, “Ah ja, so bin ich also, so sind die Menschen, so sind sie.” Und wenn ihr während der heutigen Vorlesung bereits etwas in dieser Richtung verspürt haben solltet, dann ist das ein gutes Anzeichen dafür, dass ihr von diesem Kurs profitieren könntet Wenn nicht, nun, ihr könntet versuchen, noch eine zweite Vorlesung mitzunehmen und schauen, was passiert, aber so in etwa läuft der Kurs ab und wenn es das ist, was ihr wollt, dann bekommt ihr es hier Freut mich, euch alle zu sehen und ich schätze, damit sind wir hier durch